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Montag, 31. Juli 2017

» Rote Grütze mit Schuss ; Krischan Koch (Thies Detlefsen #1)

"Ein ermordeter Biobauer, eine verschwundene Ehefrau, Brandstiftung und Erpressung: Dorfpolizist Thies Detlefsen hat auf einmal alle Hände voll zu tun. Und das im bisher so friedlichen Fredenbüll in Nordfriesland, wo es mehr Schafe (600) als Einwohner (176) gibt! "Dat is jetz'n büschen viel auf einmal." Gott sei Dank naht Hilfe in Gestalt der attraktiven Nicole Stappenbek von der Kieler Mordkommision. Gemeinsam rücken sie dem Bösen zu Leibe..."

Die Geschichte

Thies Detlefsen, dem Polizisten von Fredenbüll an der Nordsee, sitzt der Rotstift aus Kiel gehörig im Nacken: Aber was soll er machen, wenn in Fredenbüll außer Falschparkern und zu schnell fahrenden Wochenend-Gästen einfach nichts los ist? Da ist es kein Wunder, dass er gleich einen Mord wittert, als man die Leiche von Brodersen, dem ansässigen Bio-Bauern, in dessen eigener Mähmaschine entdeckt. Als zur gleichen Zeit die hübsche Swaantje Ketels verschwindet, bekommt Thies einiges zu tun - und Unterstützung aus Kiel in Person von Nicole Stappenbek, die zuerst recht skeptisch die "Kriminalfälle" mit ihm angeht.
Dann jedoch kommt der Bericht des Pathologen aus Kiel, der Thies' Ahnung bestätigt: Brodersen wurde erschossen! Wer könnte der Täter sein? Mit der Unterstützung des halben Dorfs beginnen die beiden zu ermitteln...

Die Bewertung

Krischan Kochs Küsten-Krimi ist ein Sammelsurium skurriler, aber liebenswerter norddeutscher Charaktere, angefangen von Polizist Thies mit seinem Kuhblick, wenn es ernst wird (oder er verwirrt ist), die Stammbesetzung von "De Hidde Kist", der Imbissstube in Fredenbüll: Wirtin Antje und ihr vegetarischer Hund Susi, Postbote Klaas, der zwischendurch Thies beim Verhör assistiert, oder auch Bounty, der Alt-Hippie, der in seiner Hütte Marihuana anbaut, was Thies irgendwie stets entgeht.
Ab und zu bekommt der Leser einen Einblick in das Geschehen, das zu den Ermittlungen von Thies und Nicole Stappenbek führt, aber dennoch ist man sich nie so ganz sicher, ob man wirklich durchschaut hat, welcher skurrilen Ereignisse nun zu den Todesfällen geführt haben und wer nun eigentlich der Täter ist. 
Obwohl ich normalerweise nicht der größte Krimi-Leser bin, gehört die Thies Detlefsen-Reihe von Krischan Koch doch zu meinen Lieblingen: Die Charaktere sind so liebevoll gezeichnet und ausgeschrieben, dass es beinahe der echte Bericht aus Fredenbüll sein könnte - wären die Mordfälle nicht gleichermaßen völlig verrückt. Das Buch ist unterhaltsam und voller Wendungen, mit denen man nicht rechnet.
Besonderes Bonbon: Das Hörbuch wurde von Bjarne Mädel eingesprochen und gibt dem Ganzen noch mal eine extra Portion nordischen Charme!

5 von 5 Punkten!

Samstag, 6. Mai 2017

» eleanor & park ; Rainbow Rowell

"Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann."


Die Geschichte

Als das neue Mädchen, das seltsame Mädchen, das erste Mal den Schulbus betritt, macht Park ihr eigentlich nur Platz, weil er weiß, wie es ist, wenn man im Zentrum der Aufmerksamkeit jener steht, die einem das Leben so richtig schwer machen. Er ist zwar nicht gerade der uncoole Außenseiter, schließlich kennt er die anderen schon sein ganzes Leben, aber Park ist anders als sie.
Eleanor sitzt neben dem kleinen, schweigsamen Asiaten, der die Busfahrten damit verbringt, Musik zu hören und Comics zu lesen. Trotzdem: besser neben ihm sitzen, als von Tina und den anderen noch mehr gemobbt zu werden. Immerhin ist die Zeit in der Schule das wenige am Tag, an dem sie sich nicht mit ihrem Stiefvater und der Situation Zuhause auseinander setzen muss. Denn Eleanors Leben ist insgesamt kein Zuckerschlecken. Der neue Mann ihrer Mutter tyrannisiert die Familie, auch wenn ihre jüngeren Geschwister ihn irgendwann stillschweigend als Vater akzeptiert haben - mit seinen grausamen Seiten. Deshalb ist es Eleanor eigentlich egal, was in der Schule passiert.
Doch irgendwann beginnt Eleanor Parks Comics mitzulesen. Irgendwann reicht Park Eleanor seine Kopfhörer, um sie an seiner Musik teilhaben zu lassen. Irgendwann unterhalten sie sich über die Comicfiguren, obwohl es alle mitbekommen können. Und zwischen den beiden aus ihren unterschiedlichen, schwierigen Welten entwickelt sich etwas, was für sie beide ganz und gar neu ist.


Die Bewertung

Rainbow Rowell schreibt eine Geschichte über Außenseiter, sie schreibt eine Geschichte über die erste Liebe, sie schreibt eine Geschichte über die furchtbaren Dinge, die Kindern geschehen können, wenn niemand auf sie aufpasst, sie schreibt voller Gefühl.
Eleanor und Park sind wunderbar echte Charaktere, welche die Geschichte aus wechselnden Perspektiven erzählen: Wie aus zwei Außenseiter zwei sich liebende Außenseiter werden - und wie die magische, erste große Liebe vieles im Leben vergessen machen lassen kann. Aber eben nicht alles. Nicht grausame Stiefväter und die Ohnmacht, dass man nichts dagegen tun kann. Es geht um Vorurteile, soziale Unterschiede und die Ungerechtigkeit, die man beim Erwachsen werden erleben muss. 
Die Geschichte von Eleanor und Park geht unwahrscheinlich nah und ans Herz und begleitet einen noch eine ganze Weile, nachdem man die letzten Seite gelesen hat.

5 von 5 Punkten!

Freitag, 14. April 2017

» Lieber jetzt als irgendwann ; Lauren Graham

"Franny Banks ist zwar ein bisschen chaotisch, aber vor allem witzig, charmant und klug – eigentlich müsste sie alle ihre Ziele erreichen können:
- Schauspielerin werden
- den Durchbruch schaffen
- Mann fürs Leben finden
Für den Notfall hat sie trotzdem einen Plan B:
- langjährigen Freund Clark heiraten
- Englisch-Lehrerin werden
- in einen Vorort ziehen
Doch ihr „Ultimatum zur Traumverwirklichung“ von drei Jahren läuft bald ab. Als sich herausstellt, dass sogar Plan B geplatzt ist, lautet Frannys Motto deshalb: Lieber jetzt als irgendwann."

Die Geschichte

Franny Banks lebt seit einiger Zeit in New York und versucht, als Schauspielerin Fuß zu fassen. Wie so viele andere kellnert sie nebenbei und wartet auf den großen Moment. Denn ihr läuft eigentlich die Zeit davon: Sie hat sich geschworen, dass sie es drei Jahre lang versucht, bevor sie aufgibt, denn sie wollte noch nie eine von jenen sein, die nicht einsehen wollen, dass es nicht klappen wird.
Als ihr der Showcase ihres Schauspiellehrers zu gleich zwei Terminen mit echten Agenturen verhilft, hat Franny das Gefühl, dass es endlich bergauf geht. Besser noch: Der wunderbare James aus ihrer Schauspielklasse, der den Durchbruch längst geschafft hat, hat Interesse an ihr! Sie landet direkt nach dem ersten Vorsprechen ihrer neuen Agentur eine kleine Serienrolle - endlich etwas Besseres als die ewigen Werbespots (nicht, dass sich Franny über eine weitere Zusage dort nicht freuen würde...).
Doch als der erste Trubel in der neuen Agentur verebbt, sie keine Jobs erhält und auch noch ihre Stelle als Kellnerin verliert und dann erfährt, dass Clark, der große Bestandteil ihres Plan Bs, kurz vor Ablauf ihres Ultimatums, sich verlobt hat, fragt sich Franny, ob das alles wirklich das Richtige für sie ist.
Doch die junge Frau liebt die Schauspielerei. Und so gibt sie nicht auf!

Die Bewertung

Der Schreibstil dieses Romans lässt sofort erkennen, von wem das Buch ist: Lauren Graham ist bekannt als spritzige, wunderbare Lorelai Gilmore - und man hat beinahe das Gefühl, als sei es eine Geschichte über sie selbst. Franny ist schlagfertig und humorvoll, die Geschichte aus den frühen Neunzigern in New York ist voller Witz und Lebensfreude.
Ich hatte nur ein kleines Problem mit dem Buch: Für mich stand Lauren Graham als Autorin zu weit im Vordergrund. So witzig Franny auch ist, irgendwie hatte ich die ganze Zeit über nicht so richtig das Gefühl, sie wirklich kennenzulernen, als würde das "Bonding" nicht stattfinden. Vielleicht habe ich mich aber auch nur zu sehr ablenken lassen.
Denn abgesehen davon ist es ein tolles Buch für verregnete Nachmittage, in dem man wunderbare versinken kann.

4 von 5 Sternen.