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Samstag, 20. Februar 2021

» Heimkehren ; Yaa Gyasi


"Ghana, 18. Jahrhundert: Die beiden Mädchen Effia und Esi wachsen auf, ohne zu wissen, dass sie Halbschwestern sind. Geboren von derselben Mutter, könnten ihre Lebenswege kaum unterschiedlicher sein: Effia heiratet als eine der ersten Frauen des Dorfes einen weißen Engländer, der eine Schlüsselrolle im Sklavenhandel spielt, und folgt ihm auf die Festung Cape Coast, auf der sie fortan lebt. Effia, ihre Halbschwester, wird dagegen bei einem Überfall auf das Dorf gefangen genommen und mit Tausenden anderen erst in die Verliese von Cape Coast und dann auf die Baumwollplantagen Amerikas verschifft. Und mit einer fesselnden erzählerischen Kraft folgt die Autorin Yaa Gyasi den Nachkommen beider Frauen über acht Generationen hinweg bis in die Gegenwart hinein: Von den Baumwollplantagen im Süden der USA über die Große Migration, von den Missionaren und dem Kampf gegen die Briten in Ghana, bis hin zu den Jazzclubs in Harlem entsteht ein berührendes Epos, das tief in die Geschichte der Sklaverei, der Schwarzen in Amerika, des Kolonialismus und der Befreiung eintaucht."

Die Handlung


Zwei Mädchen, deren Leben von Beginn an sehr ähnlich hätte verlaufen können - zwei Schwestern, die sich aber nie kennenlernen werden - zwei Familienstammbäume, die sich auf völlig unterschiedliche Weise entwickeln. Effia wird als junge Frau von ihrer Stiefmutter an einen reichen weißen Sklavenhändler verheiratet, während Esis Dorf von einem anderen Stamm überfallen wird und sie selbst versklavt wird. Von dort an folgt der Leser Generation über Generation von Ghana über die Baumwollplantagen im Süden Amerikas bis nach New York und sieht dabei der Geschichte beim permanenten Wandel zu, bei der Effias oder Esis Familie immer wieder auf den verschiedenen Seiten der Geschichte stehen.

Die Bewertung

In jedem einzelnen Kapitel zeichnet Yaa Gyasi spannende, menschliche Figuren, die eine Brücke schlagen zur Generation davor, was sie einem gleich noch näher bringt, und an ihrer Seite erlebt der Leser die unfassbare Geschichte der Sklaverei auf dem afrikanischen Kontinent, hinein in den Süden der USA. Es ist eine Darstellung von nicht-gehörten Schicksalen, von schwarzem Stolz und Traditionen, aber ebenso von Unterdrückung, Grausamkeit und Ungerechtigkeit. Ich habe viel mitgenommen über die Geschichte von Ghana, ihre Bräuche, ihren Glauben, ihre Weltsicht. Jedes einzelne Kapitel ist so spannend und faszinierend erzählt, dass man am Ende einer Perspektive dem Weg der Figur noch viel weiter folgen möchte, während man gleichzeitig ungeduldig ist zu erfahren, welche Figur als nächstes auf einen wartet und wie ihr Weg aussehen wird. Das Buch ist in keiner Weise leichte Kost, es ist wichtig, dass diese Geschichte schonungslos erzählt wird, aber die erzählerische Kraft in den Worten von Yaa Gyasi ist immens. 

Ein besonderer Blick: Das Hörbuch

Eine Ansammlung von vielen von Deutschlands besten Hörbuchsprechern hat Der Audio Verlag für dieses Hörbuch versammelt: Bibiana Beglau, Jule Böwe, Johann von Bülow, Britta Steffenhagen, Wanja Mues, Bjarne Mädel, Götz Schubert, Rike Schmid, Judith Engel, Lisa Wagner, Stefan Kaminski, Felix Goeser, Jodie Ahlborn und Max Mauff lesen die einzelnen Kapiteln, was den Figuren noch viel mehr Leben einhaucht. 

5 von 5 Sterne

Dienstag, 5. Mai 2020

» Der Kuss der Lüge ; Mary E. Pearson (Die Chroniken der Verbliebenen #1)

"Lia, älteste Tochter im Königshaus Morrighan, lässt ihre Heimat hinter sich, kurz bevor sie mit einem fremden Prinzen verheiratet werden soll. Als einfache Arbeitskraft heuert sie in einer Taverne an, wo sie zwei Männer kennenlernt, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Beide sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt sich Lia zu beiden hingezogen ..."

Die Geschichte

Kurz bevor Prinzessin Lia als Erste Tochter des Königreichs Morrighan an den Prinzen des Königreichs Dalbreck verheiratet werden soll, um die gespannte Beziehung in eine Allianz zu verwandeln, flüchtet sie mit ihrer Freundin Pauline. Sie will ihre Zukunft nicht aus politischen Gründen für eine Ehe hergeben mit einem Mann, den sie noch nie gesehen hat. Auf dem Weg in die Küstenstadt Terravin verwischen die jungen Frauen ihre Spuren, und schließlich beginnt Lia an ihrem Ziel als Schankmädchen zu arbeiten.
Als zwei Fremde eines abends die Schenke betreten, ahnt Lia nicht, dass es sich bei ihnen um zwei junge Männer handelt, die aus sehr unterschiedlichen Motiven in Terravin aufhalten, aber nur ihretwegen gekommen sind: Der eine ist der Prinz aus Dalbreck, der, neugierig auf die Frau, die ihn vor dem Altar hat stehen lassen, einen Blick auf sie werfen will. Der andere ist ein Attentäter, geschickt um die versteckte Prinzessin zu töten. Doch am Ende erfüllt keiner seine Mission, wie sie es eigentlich geplant hatten.

Die Bewertung

Das Buch, Teil 1 der Chroniken der Verbliebenen, liest sich ausgesprochen angenehm, flüssig und beinahe wie in einem Rutsch.
Leider sehe ich in diesem Buch sehr viel verpasstes Potenzial: Die Geschichte wird voran getrieben von der Entscheidung des Attentäters, Lia entgegen seines Auftrags nicht zu töten - und dies ist für mich in der Geschichte nicht zu begründen, wenn man nicht davon ausgeht, dass eine unerklärliche Anziehung von Lia ausgeht (die der Prinz übrigens ebenso spürt, denn auch er versucht, ihr näherzukommen). Ein klassischer Fall von Insta-love, und auch noch gepaart mit einem Love Triangle... Mir wurde die Welt beim Lesen kaum klar: Es gibt die Königreiche Morrighan und Dalbreck, und es gibt Vagabunden, die aus (unerklärlichen?) Gründen der Feind sind. Die Ersten Töchter des Königreichs sollen mit der Gabe der Vorhersehung gesegnet sein, die Lia aber nicht zu haben scheint - was auch immer diese Gabe jedoch ausmacht, sie scheint aus ihr eine Gefahr zu machen, die groß genug ist, einen Attentäter zu rechtfertigen, nachdem sie auf die Ehe und ihre königlichen Ansprüche bereits verzichtet hat - für mich unlogisch. Bis zum Ende ist mir zudem nicht klar geworden, wer die "Verbliebenen" sind, die immerhin der Serie ihren Titel geben.
Insgesamt ist auf diesen über 500 Seiten auch nicht allzu viel passiert, was zwar aufgrund des schon angesprochenen flüssigen Stils beim Lesen nicht schlimm war, eben aber auch nicht dafür sorgt, dass ich besonders neugierig auf die Folgebände bin - ich habe am Ende immer noch keine Ahnung gehabt, worum es in den Büchern geht, was das große Ziel ist, was die Motivation des Attentäters und seiner Kumpanen angeht... Daran ändert leider auch das offene Ende nichts. 

2 von 5 Punkte

Sonntag, 2. Februar 2020

» Das Lied der Krähen ; Leigh Bardugo (Glory or Grave #1)

"Ketterdam – pulsierende Hafenstadt, Handelsmetropole, Tummelplatz zwielichtiger Gestalten: Hier hat sich Kaz Brekker zur gerissenen und skrupellosen rechten Hand eines Bandenchefs hochgearbeitet. Als er eines Tages ein Jobangebot erhält, das ihm unermesslichen Reichtum bescheren würde, weiß Kaz zwei Dinge: Erstens wird dieses Geld den Tod seines Bruders rächen. Zweitens kann er den Job unmöglich allein erledigen …
Mit fünf Gefährten, die höchst unterschiedliche Motive antreiben, macht Kaz sich auf in den Norden, um einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt zu befreien. Die sechs
Krähen sind professionell, clever, und Kaz fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen – außer in Gegenwart der schönen Inej …"

Die Geschichte

Kaz Brekker, inoffizieller Anführer der Dregs, bekommt das Angebot für einen Auftrag, der alles übertrifft, was man sich vorstellen kann - und entsprechend auch mit einer geradezu wahnwitzigen Menge an Geld belohnt werden soll. Geld, das Kaz ermöglichen würde, sich über sein aktuelles Leben zu erheben. Mit fünf Partnern inner- und außerhalb der Dregs wird ein Plan umgesetzt, im fernen Fjerdan aus dem bestbewachtesten Gefängnis der Welt einen Grisha zu befreien, der etwas entwickelt hat, das die ganze Welt verändern könnte.

Die Bewertung

Das Buch stand schon eine lange Zeit auf meiner Lese-Wunschliste - und als ich in die Welt der
Grisha getaucht hat, hat sie mich in einem verzaubert und in ihren Bann gezogen. Mit Kaz Brekker und seinen Gefährten Inej, Jesper, Wylan, Nina und Matthias hat Leigh Bardugo Figuren geschaffen, die nicht nur individuelle Hintergrundgeschichten und daraus resultierende Motivationen haben, sondern innerhalb der Geschichte auch wahnsinnig spannende Entwicklungen durchleben. Der Hype um "Grishaverse", basierend auf Leigh Bardugos erster Trilogie (auf die ich sicher später noch kommen werde), war schon groß, bevor ich auf den Zug aufgesprungen bin, und er wird sicherlich noch anwachsen, weil Netflix bereits dabei ist, die Bücher um Alina Starkov sowie die Glory or Grave-Bände in der Serie "Shadow and Bone" zu verewigen (und auch hier komme ich dann hoffentlich noch drauf zurück, wenn es soweit ist). Ich habe jedenfalls nach sehr langer Zeit wieder eine Welt entdeckt, an die ich prompt mein Herz verloren habe. Am liebsten würde ich zwar an jedes Buch im Buchladen Post-its kleben, um zu erklären, dass Grisha nun wirklich keine Magier sind, und dass man sich hier nicht gerade auf eine Liebesgeschichte einstellen sollte, so wie es der letzte Satz verheißungsvoll andeutet... Aber dennoch wünsche ich dem Buch und allen Lesern, dass es sie anlockt. Die Welt von Ketterdam und Fjerdan ist faszinierend und die Sprache, mit der Leigh Bardugo erzählt, verzaubert und ist einfach so gut!
Mein Liebeslied an die Krähen könnte endlos weitergehen. Dabei danke ich zum Schluss einfach der Autorin für ihre Werke.

4,5 von 5 Punkte
(Weil der Anfang Konzentration und Zeit kostete und weil ich ansonsten für Teil 2 mehr als 5 Punkte hätte vergeben müssen - es wurde nur noch besser!)

Donnerstag, 7. September 2017

» Barfuß auf dem Sommerdeich: Mein Halligleben zwischen Ebbe und Flut ; Katja Just

"Hooge ist eine winzige Hallig im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer mit rund 100 Einwohnern. Eine davon: Katja Just. Vor 16 Jahren tauschte die Großstädterin ihr Leben und ihre aussichtsreiche Karriere im turbulenten München gegen den beschaulichen Alltag auf der Marschinsel ein und hat es seitdem keinen Tag bereut. Denn: Trotz aller Zurückgezogenheit, langweilig wird es auf Hallig Hooge nie! Von Begegnungen mit eigensinnigen Halligleuten über faszinierende Naturschauspiele bis hin zu ungeahnten Herausforderungen am Rande der Zivilisation hat Katja Just einiges zu erzählen. Mit viel Humor und Liebe zum Detail gibt sie Anekdoten aus ihrem Leben auf der Hallig wieder und zeigt den Lesern, wie ereignisreich und erfüllend der Alltag am vermeintlichen Ende der Welt doch sein kann."

Die Geschichte

Mit gerade einmal 25 Jahren zog Katja Just auf die Hallig Hooge - aus der Großstadt München geradewegs in die Ruhe der Marsch. Die Liebe für die Nordsee und die Hallig, die waren seit Kindheitstagen da, trotzdem fiel die Entscheidung unter anderem aufgrund einer gescheiterten Beziehung. Einen größeren Kontrast kann es kaum geben, das Leben in einer Stadt wie München mit den Bergen vor der Haustür, und dann eines auf der Hallig, wo man meist der Natur recht wehrlos ausgeliefert ist. Norddeutsche Lebensweise gegen bayrische Mentalität: Sie krempelte damit ihr gesamtes Leben um, übernahm nach einigen weiteren Jahren Ausbildung die Ferienhäuser von ihrer Mutter und ihrem Stiefvater und lebte sich in einem völlig anderen Leben ein.
Katja Just berichtet in ihrem Buch in vielen Episoden von sechzehn abwechslungsreichen Jahren auf Hallig Hoogen, von Naturgewalten, Traditionen, Schwierigkeiten und Herausforderungen und ihrer Liebe zu diesem Leben.

Die Bewertung

Ich selbst war noch nie auf einer Hallig, liebe allerdings die Nordsee und interessiere mich auch für Bücher über Lebens"arten", die sich von meiner eigenen unterscheiden. Ich musste mich zunächst ein bisschen über eine Hallig informieren, hier fehlte mir das Fachvokabular, fand es dann jedoch ausgesprochen interessant, von den Begebenheiten in Katja Justs Leben zu lesen.
Eines wird auf nahezu jeder Seite klar: Ihre Liebe zur Hallig und die Freude über die Entscheidung in jungen Jahren. Allerdings scheint mir das ein wenig das Hauptthema des Buches zu sein, nahezu durchgehend wird von ihrem Leben geschwärmt. Persönlich freut es mich natürlich, wenn ein Mensch glücklich und zufrieden ist, irgendwann fiel es beim Lesen jedoch schwer, nicht irgendwie genervt zu sein, denn es klang bald wie ein bisschen belehrend, wenn man das Leben nah an der Natur mit seinem eigenen vergleicht. Obwohl auch von Schwierigkeiten berichtet wurde, habe ich beim Lesen den Eindruck gewonnen, dass dieses Leben auf der Hallig besser ist als meines.
Interessant war das Buch dennoch, immerhin ist das Leben dort sicherlich bemerkenswert und anders. Dennoch ist meine Bewertung:

3 von 5 Punkten

Montag, 14. August 2017

» Die Diagnose: Wenn Ärzte zu Detektiven werden - rätselhafte Krankheiten und ihre Ursachen ; Anika Geisler (Hrsg.)


"Eine Schlange im Bauch, ein Zahnstocher in der Leber, ein Ballon in der Luftröhre: Manchmal verbergen sich hinter quälenden medizinischen Beschwerden bizarre Erklärungen. Jede Woche berichten Ärzte im Magazin stern von ihren außergewöhnlichsten Fällen. Die Rubrik »Die Diagnose« gehört zu den beliebtesten Seiten der Zeitschrift. Erstmals zusammengefasst in einem Buch erzählen Mediziner von Patienten, die an rätselhaften Symptomen leiden und deren ungewöhnliche Krankengeschichten dank akribischer Detektivarbeit zu einer überraschenden Auflösung kommen."

Die Geschichte

Anika Geisler sammelt in diesem Band die Berichte verschiedenster Ärzte zu mysteriösen Krankheitsgeschichten und der Weg der Mediziner zur Erkenntnis. Dabei geht es des Öfteren über völlig kuriose Symptome, von denen die Patienten gequält werden, bis hin zu Krankheitsbildern, die auf den ersten Blick eindeutig sind, dann aber zu einer Odyssee führen, wenn es doch nicht ganz so eindeutig ist und erst der richtige Behandlungsweg gefunden werden muss.
In diesem Buch werden die verschiedenen Berichte zusammengetragen, die sonst vom Stern in der Rubrik "Die Diagnose" publiziert werden, sodass man einen interessanten Einblick in die Welt der Mediziner erhält, die man sonst nur von der anderen Seite kennt - und hoffentlich auch nie aus einer so mysteriösen Perspektive.

Die Bewertung

Anika Geisler und andere Autoren haben die Berichte von Medizinern aufgenommen und zusammengetragen. Jeder Bericht ist nur etwa drei Seiten lang, er wird mit einer kurzen Zusammenfassung eingeleitet.
Leider habe ich nach wenigen Berichten aufgehört, diese einführenden Zeilen zu lesen, da sie teilweise irreführend waren und zudem einen gewissen Überraschungseffekt genommen haben.
Zudem waren die Berichte aufgrund ihrer Kürze und der Tatsache, dass sie von Medizinern geschrieben wurden, auch recht nüchtern. Interessant und spannend war es natürlich trotzdem, aber ein bisschen medizinisches Hintergrundwissen wäre in vielen Fällen hilfreich gewesen, um zu verstehen, was genau im Sachverhalt so interessant/kompliziert/erstaunlich/mysteriös gewesen ist. So bleiben am Ende viele kurze Berichte, die auch durchaus kurzweilig waren, aber für jemanden, der im medizinischen Bereich kaum Ahnung hat, war es irgendwann zu viel an Information für eine schöne Lese-Runde.

3 von 5 Punkten

Dienstag, 8. August 2017

» Gray ; Leonie Swann

"Dr. Augustus Huff, Dozent an der berühmten Universität von Cambridge, hat plötzlich ein Problem: einer seiner Studenten ist in den Tod gestürzt. Nur ein tragischer Unfall oder Mord? Augustus vermutet Letzteres, denn das Opfer war alles andere als ein Engel. Ein Mörder im Elfenbeinturm – das darf nicht sein, und so macht sich Augustus, unterstützt von Gray, dem Graupapageien des Verstorbenen, auf die Suche nach dem Täter. Der Vogel erweist sich aber als vorlautes Federvieh, und zuerst stolpert Augustus von einem Fettnäpfchen in das nächste. Doch schon bald ist es Gray, der die richtigen Fragen stellt und Augustus begreift: nur gemeinsam können sie es schaffen, diese harte Nuss von einem Fall zu knacken."

Die Geschichte

Es ist Prüfungszeit in Cambridge und das größte Problem, dass Dr. Augustus Huff gerade vor sich hat, ist die verflixte achte Seite seines Aufsatzes. Acht ist keine gute Zahl.
Dann jedoch kommt ein Schüler zu Tode, dessen Tutor Augustus war, und der scheue Dozent, der sich eigentlich von den meisten Menschen lieber fern hält (schon allein, weil sein Ordnungstick und seine anderen "Marotten" immer skeptisch beäugt werden), scheint als einziger zu hinterfragen, ob dies wirklich ein Unfall gewesen ist: Elliot Fairbanks war ein geübter Kletterer. Wäre er wirklich einfach so abgestürzt?
Ehe sich Augustus versieht, beginnt er zu ermitteln - und zu allem Überfluss auch noch mit dem Graupapageien Gray auf der Schulter. Der Vogel des Verstorbenen, der ein ungewöhnliches Sprachvermögen hat, bringt ihn schnell von einem Fettnäpfchen ins andere, was für einen Menschen wie Augustus schwer zu ertragen ist. Dennoch: Dieser Fall ist unordentlich, und Augustus kann Unordnung nicht leiden. Er geht der Sache mit einem vorlauten, anhänglichen Papageien auf die Spur...

Die Bewertung

Leonie Swanns Schafskrimis habe ich bereits vor einigen Jahren gelesen und ihre Originalität geliebt. Jetzt habe ich ihren neuesten Krimi bekommen, der auch dieses Mal nicht auf tierische Unterstützung verzichtet. Dieses Mal ermittelt jedoch ein Mensch (ein außerordentlich schräger und zugleich sehr sympathischer noch dazu) und wird dabei von einem Graupapageien unterstützt, der durch einen Todesfall auf einmal herrenlos ist. Wobei man natürlich bei einem vorwitzigen, sprachbegabten Papageien mit einem untrüglichen Gespür für schlechtes Timing nur schwer von einer Unterstützung für Dr. Augustus Huff sprechen kann, der sich sonst stets bemüht, aufsehenerregende Situationen zu meiden.
Das Buch beginnt verhältnismäßig ruhig und ebenso wie Augustus befindet man sich plötzlich in der Untersuchung von Elliots Todesfall.
Man könnte Punkte abziehen für die ersten Seiten, auf denen nicht viel mehr passiert als das Kennenlernen von Augustus Huff. Mir hat das behutsame Herantasten an diese ungewöhnliche Charaktere, sowohl den Doktor als auch den Papageien, gefallen, und auch wenn es kein Krimi der düsteren skandinavischen Sorte oder rasant und voller Action ist, hat Leonie Swann in meinen Augen einen ausgesprochen gelungen Kriminalroman geschrieben. Zudem: Beinahe hätte ich auch gern einen Gray auf meiner Schulter sitzen.

5 von 5 Punkten

Dienstag, 30. Mai 2017

» Anything for Love ; Sarah Dessen

"Dass Sydneys Leben auf den Kopf gestellt wird, nur weil sie eine Pizzeria betritt, hätte sie nicht für möglich gehalten. Doch so, wie es im Moment läuft, kann ihr Leben einige Änderungen gut gebrauchen. Ihr Grundgefühl: unsichtbar. Denn zu Hause dreht sich alles nur um ihren Bruder, weil er betrunken einen Jungen angefahren hat und nun im Gefängnis sitzt. Dass ihre Mutter seine Schuld an dem Unfall ignoriert, macht die Sache nicht leichter für Sydney. Bis sie in der Seaside Pizzeria Mac und Layla kennenlernt, deren Familie so ganz anders ist als ihre: chaotisch und warm, laut und liebenswert. Unvoreingenommen wird Sydney willkommen geheißen. Und wenn Mac sie ansieht, fühlt sie sich alles andere als unsichtbar …"

Die Geschichte

Sydney war noch nie die auffälligste Person, denn ihr Bruder Peyton ist es, der charismatisch ist und den alle mögen. Seit er jedoch zu einem Gefängnisaufenthalt verurteilt wurde, weil er betrunken einen Jungen angefahren hat, steht ihre Familie auf dem Kopf. Ihre Mutter scheint nicht zu sehen, dass Peyton sehr wohl allein verantwortlich ist für das, was geschehen ist, ihr Vater stürzt sich weiter in seine Arbeit. Sydney wechselt auf die öffentliche High School, weil sie weiß, wie viel die Verteidigung ihres Bruders kostet: hier ist sie nun wirklich allein.
Als sie nach ihrem ersten Schultag jedoch spontan eine Pizzeria betritt, ändert sich sozusagen alles. Dort lernt sie Layla und ihre Familie kennen, die sie nicht nur in ihre Clique integrieren, sondern sie auch davor bewahren, an den Nachmittagen nach Hause zu müssen. Denn in der Abwesenheit ihrer Eltern ist dort oft Ames, der beste Freund ihres Bruders, in dessen Gegenwart sich Sydney sehr unwohl fühlt.
Zum ersten Mal fühlt sich Sydney nicht mehr unsichtbar, auch wenn die Situation Zuhause nicht einfacher wird. Sie hat das Gefühl, als Einzige die Schuld für das zu tragen, was geschehen ist. Es ist Laylas Mutter und vor allem Laylas Bruder Mac, der ihr hilft...


Die Bewertung

Sarah Dessens Geschichten gehören beinahe allesamt zu meinen liebsten Büchern, da war es klar, dass ich dieses Werk, dass zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung in Amerika endlich auf dem deutschen Markt erschienen ist, haben musste.
Wenn man von Kleinigkeiten absieht, dann ist auch dieses Buch wieder in gewohnter Dessen-Manier ein wunderschönes Buch. Warum aber der Verlag beispielsweise auf die Idee gekommen ist, aus dem englischen "Saint Anything" das deutsche "Anything for Love" zu machen, das in meinen Augen den Inhalt nicht wiederspiegelt, kann ich nicht beantworten.
Abgesehen davon sind die Hauptfiguren, wie eigentlich immer in Dessens Geschichten, liebevoll gezeichnet und sehr lebendig, es ist nicht zuallererst eine Liebesgeschichte, auch wenn diese eigentlich auch immer vorkommt und dann immer schön geschrieben ist. Daneben geht es eben um die komplizierte Beziehung von Sydney zu ihrer Familie, um Einsamkeit, neue Freundschaften und Zukunftsvorstellungen.


5 von 5 Sternen.

» Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt ; Mhairi McFarlane

"Wenn der Bräutigam dich küsst, aber du nicht die Braut bist.
Nach wochenlangen Flirts kommt es zwischen Edie und ihrem Kollegen Jack zu einem Kuss. Dummerweise befinden sich die beiden da gerade auf Jacks Hochzeit und werden zu allem Überfluss auch noch von Charlotte, der frischgebackenen Ehefrau, erwischt. Kurz nach diesem Fehltritt bricht ein fieser Shitstorm über Edie herein. Während Jack den reuigen Ehemann gibt, wird sie zum Sündenbock gemacht. In ihrer Not flieht Edie in ihre Heimatstadt Nottingham. Aber die Gerüchte, Edie habe eine Affäre mit Jack gehabt, reißen nicht ab. Doch zum Glück hat Edie Freunde, die zu ihr halten. Und dann ist da auch Elliot, der ihr zwar gehörig auf die Nerven geht, aber das Herz doch am rechten Fleck hat..."

Die Geschichte

Eine Hochzeit ändert für Edie über Nacht alles: Obwohl sie vorher schon wusste, dass es vielleicht keine gute Idee ist, zur Hochzeit ihrer Kollegen Jack und Charlotte zu gehen, weil sie Gefühle für den Bräutigam hat, wollte sie dennoch eine gute Freundin sein. Nachdem die Braut sie jedoch dabei erwischt hat, wie sie vom betrunkenen Bräutigam geküsst wurde, bricht dank der Brautjungfer ein Shitstorm über Edie los, der sie schließlich dazu zwingt, in ihre Heimat Nottingham zurückzukehren - dankenswerterweise bekommt sie von ihrem Chef den Auftrag, die Autobiografie eines Schauspielers zu schreiben. Leider ist dieser auf den ersten Blick auch nicht gerade sympathisch, sodass Edies Rückkehr in die Heimat noch erschwert wird - denn auch mit ihrer Familie ist nicht gerade alles eitel Sonnenschein.
Doch trotz allem ist Edie nicht allein und so bekommt die verunsicherte Edie einige Unterstützung dabei, wieder auf die Füße zu kommen.


Die Bewertung

Mhairi McFarlanes Schreibstil ist bekanntermaßen toll: Flüssig, witzig, wendungsreich, lebendig. Ihre Geschichten sind selten so, wie sie auf den ersten Blick wirken, sodass ihre Bücher sich nie danach anfühlen, als wären sie nur nach Schema F geschrieben worden.
Der Charakter Edie durchlebt etwas, das einen in der heutigen Zeit mächtig zum Nachdenken bringt: Sie ist es gewohnt, in den sozialen Netzwerken zu leben - und dann ist es ein Fehler, der ihr die Schwachstellen dieses Systems aufzeigt, als plötzlich Gruppen auf Facebook eröffnet werden, in denen fremde Personen öffentlich über sie herziehen.
Bei all diesen Problemen darf man als Leser auch die leichten Momente in Edies Leben sehen: Wie sie Freundschaften kittet, die durch ihr Leben in London eingeschlafen sind. Außerdem erleben wir mit, wie Edie wieder auf die Füße kommt, ihre eigene Stärke entdeckt und einige Lehren aus den Vorfällen zieht: Nicht nur, was die Abhängigkeit von sozialen Medien angeht, sondern auch, was lang eingelebte Fehler im Verhalten irgendwann ausmachen, wenn man sich selbst in Frage stellt.

5 von 5 Punkten.