Posts mit dem Label 2015 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 2015 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 19. September 2017

» Die maskierte Stadt ; Genevieve Cogman (Die unsichtbare Bibliothek #2)

Der Nachfolgeband zu » Die unsichtbare Bibliothek.

"Irene Winters ist Agentin der unsichtbaren Bibliothek, die jenseits von Raum und Zeit als Tor zwischen den Welten existiert. Ihr Job ist es, einzigartige, ungewöhnliche oder rare Bücher für diese Bibliothek zu beschaffen. Sie hat gerade auf einer zwielichtigen Auktion einen seltenen Bram-Stoker-Text erworben, als sie und ihr Assistent Kai überfallen werden. Zu spät erkennt Irene, dass es nicht um das Buch, sondern um Kai geht. Er wird entführt, ohne dass Irene es verhindern kann. Die Spur der Verbrecher führt in ein dunkles Venedig des immerwährenden Karnevals. Ein Ort der Masken und Geheimnisse. Und des Todes ..."

Die Geschichte

Irene ist nun die ortsansässige Bibliothekarin in dem London, indem sie vor wenigen Monaten den Verräter Alberich bekämpfen konnte. Gemeinsam mit ihrem Schützling Kai wird sie jedoch angegriffen, nachdem sie auf einer Auktion ein seltenes Buch erwerben konnte. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, schließlich bringt der Job als Bibliothekar für die unsichtbare Bibliothek oft Gefahren mit sich. Dennoch beschließt Irene, kein Risiko einzugehen und bringt das Buch umgehend in Sicherheit, während Kai zu ihrem Freund, dem Detektiven Peregrine Vale, geschickt wird.
Als Irene jedoch zurückkehrt, ist Kai verschwunden. Schnell finden sie und Vale heraus, dass eine Entführung dahinter steckt - offenbar von einem Elfen-Paar, die ihn in eine andere Welt gebracht haben. Da es sich bei Kai um den Sohn des Drachenkönigs handelt, ist es keine einfache Entführung - die schon schlimm genug wäre, immerhin stand Kai unter Irenes Schutz - sondern ein politischer Schachzug. Auch wenn die Drachen auf Irenes Seite stehen, muss sie mit dem Elfenzug in das chaotische Venedig reisen, in dem Kai gefangen gehalten wird - in einer für ihn giftigen Umgebung, in der sie nicht einmal 24 Stunden Zeit hat, ihn zu finden und zu befreien...

Die Bewertung

Im zweiten Teil der Reihe um die unsichtbare Bibliothek löst sich die Handlung von dieser und der Leser wird mit Irene in den Machtkampf zwischen Elfen und Drachen, zwischen Chaos und Ordnung hineingezogen. Irene muss auf eigene Faust inmitten einer vom Chaos verseuchten Welt versuchen, Kai zu retten, ohne auf Unterstützung hoffen zu können. In diesem zweiten Teil überzeugt Genevieve Cogman mit deutlich mehr Action und einer Vielzahl interessanten Figuren, denn die Elfen sind charakterlich völlig anders als Menschen.
Daneben ist es wiederum die sprachliche Gewandtheit, die jede Zeile des Buchs einfach klug und vielschichtig erscheinen lässt: Ein Lesegenuss - aber ist das ein Wunder in einer Buchreihe, die den Wert von Büchern so schätzt?
So ist auch Teil 2 eine absolute Empfehlung für Fantasy-Liebhaber, die mal etwas ganz anderes lesen wollen.

5 von 5 Punkten! 
 

Mittwoch, 6. September 2017

» Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen ; Petra Hülsmann

"Da hat Karo sich jahrelang abgerackert, um ihr Abi nachzuholen und zu studieren, und wozu das Ganze? Statt endlich die große Karriere zu starten, ergattert sie beim Fußball-Bundesligisten
Eintracht Hamburg lediglich einen Job als Anstandswauwau des Star-Spielers Patrick Weidinger, der in letzter Zeit mehr Energie ins Nachtleben als ins Training steckt. Um sich im Verein zu beweisen, muss Karo einen Zugang zu Patrick finden. Dabei darf sie zwei Dinge nicht aus den Augen verlieren: ihr Ziel - und ihr Herz."

Die Geschichte

Karoline Maus hat es geschafft - endlich hält sie ihre Bachelor-Urkunde in den Händen. Damit kann ihr neues Leben beginnen: Von Bochum zieht sie nur kurz darauf nach Hamburg, wo sie eine Stelle bei einem Unternehmensberater bekommen hat, wohnen wird sie in der WG ihrer besten Freundin. Doch dann der Schock: Der Unternehmensberater hat das Gesetz hintergangen, als sie an ihrem ersten Tag dort erscheint, findet sie nur die Polizei vor. So geht es für Karo wieder ans Bewerbungen schreiben, denn nach Hause zurückkehren möchte sie nicht.
Schließlich bekommt sie einem Job beim Fußball Bundesligisten Eintracht Hamburg einen Job - der sich dann allerdings nur als Fahrdienst und Aufpasser für einen Profi herausstellt, der aktuell aus der Reihe tanzt. Außerdem wird sie allen anderen Angestellten des Vereins als Praktikantin vorgestellt! Wäre da nicht der äußerst niedrige Stand ihres Kontos, hätte Karo sofort abgesagt. Leider hilft es überhaupt nicht, dass Patrick Weidinger, ihr "Schützling", sich ihr gegenüber ausgesprochen unfreundlich verhält und sie während der Trainingszeiten mit Aufgaben wie der Fanpost betraut wird.
Aber Karo ist kein Mensch, der aufgibt: Auch dieser Job kann ein Sprungbrett sein und so arbeitet sich Karo mit Fleiß in die neue Welt ein und schafft es sogar, Patrick Weidinger menschlicher werden zu lassen...

Die Bewertung

Schon das Buchcover samt dem Titel sehen nach "Chick Lit" aus: Wohlfühlliteratur, Sie findet ihn / Er findet sie, ein bisschen Herzschmerz und am Ende ein Happy End.
Natürlich ist Petra Hülsmanns Roman streng genommen diese "Chick Lit", aber hier gibt es eben noch mehr: Wirklich tolle Charaktere, ein flüssiger, humorvoller und angenehmer Schreibstil und kein übertriebenes Drama, keine an den Haaren herbei gezogenen Hindernisse, und das alles in einem realistischen, angenehmen Setting (trotz eines erfundenen Fußballvereins), in dem auch Nebencharaktere zu echten Figuren werden und nicht nur schmückendes Beiwerk, das in den richtigen Momenten die Handlung voranbringt, sondern ihre eigenen Geschichten erzählen. Damit gibt es eine eindeutige Entscheidung:

5 von 5 Punkte

Montag, 31. Juli 2017

» Ich bin Paul ; Patrick Hinz

"„Willst du mich heiraten?“ Auf diese Frage gibt es nur eine richtige Antwort – und „Ich liebe dich nicht mehr“ ist es eindeutig nicht! Also verläuft Pauls Abend deutlich anders, als geplant: Statt selig mit Louise zu kuscheln, sitzt er auf einer Parkbank und grübelt. Wie konnte es soweit kommen? Paul denkt an den kleinen, dicken Jungen, der er einmal war. Daran, wie er zu dem Mann wurde, der er heute ist. Und natürlich fragt er sich auch, was nun werden soll. Nur eins ist klar: Aufgeben gilt nicht! Also beschließt Paul, für sein Glück zu kämpfen – doch das stellt sein Leben erst recht auf den Kopf!"

Die Geschichte

Es sollte der schönste Abend werden: Der Abend, an dem Paul seiner Louise einen Heiratsantrag bei ihrem Lieblings-Italiener macht. Er fällt aus allen Wolken, als sie Nein sagt: Sie liebt ihn nicht mehr. Es gibt einen anderen.
So sitzt Paul schließlich im dunklen, kalten Park auf einer Bank und fängt an darüber nachzudenken, wie es nur so weit kommen konnte. Er denkt zurück an den Erwachsenen im Körper eines kleinen, pummeligen Jungen, der es schwer in den ersten Jahren seiner Schulzeit hatte: Ein wortgewandter Streber, der nicht so recht Anschluss finden konnte, wenn man von dem Jungen im Rollstuhl absah, mit dem auch niemand befreundet sein wollte. Er denkt an seine Familie zurück und verliert sich in Erinnerungen, während er die Frage verdrängt, was nun - ohne Louise - eigentlich werden soll. Wie wurde der kleine dicke Paul zu dem Paul heute - und was muss der Paul heute tun, damit es jetzt auch weitergeht?

Die Bewertung

Am besten an diesem Buch hat mir die Erzählweise aus Pauls Perspektive gefallen: Wortgewandt, witzig, anders. Auf zwei Ebenen wird die Geschichte erzählt: Im Jetzt, wie Pauls Heiratsantrag abgelehnt wird und was daraufhin passiert, und in der Vergangenheit, in der Paul von seiner Einschulung an Revue passieren lässt, was die wichtigen Stationen im Erwachsen werden waren. Nach und nach lernt der Leser Paul kennen und verstehen und sieht dabei zeitgleich, wie aus all dem der heutige Paul wurde.
Einen Punkt Abzug gibt es dabei für den leicht widersprüchlichen Charakter von Paul, oder einige seiner Sichtweisen. Denn obwohl er stets behauptet, anders zu sein, dreht er sich doch in allem, was er tut, egozentrisch um sich selbst - obwohl er dies in einer gewissen Arroganz anderen vorwirft. Das konnte ich nicht gut leiden, auch wenn der Schreibstil und die Kunst, eine Geschichte über einen so kurzen Zeitraum zu erzählen, doch für weitere Punkte sorgt. Es ist ein schönes Buch für Nebenher; und der Schreibstil überzeugt definitiv.

4 von 5 Punkten.

Donnerstag, 27. Juli 2017

» Die unsichtbare Bibliothek ; Genevieve Cogman (#1)

"Die unsichtbare Bibliothek - ein Ort jenseits von Raum und Zeit und ein Tor zu den unterschiedlichsten Welten. Hier werden einzigartige Bücher gesammelt und erforscht, nachdem Bibliothekare im Außendienst sie beschafft haben. Irene Winters ist eine von ihnen. Ihr aktueller Auftrag führt sie in ein viktorianisches London, wo eine seltene Version der Grimm'schen Märchen aufgetaucht ist. Doch was als einfacher Einsatz beginnt, wird nur allzu schnell ein tödliches Abenteuer, denn Irene ist nicht die Einzige, die hinter dem Buch her ist. Und die anderen Interessenten gehen über Leichen, um zu bekommen, was sie wollen..."

Die Geschichte

Irene ist gerade erst von einer Mission zurück in die unsichtbare Bibliothek gekommen, ihren Arbeitsplatz, der zeitlos zwischen allen Welten liegt, als sie einen neuen Auftrag bekommt - und einen Lehrling an ihre Seiten. Gemeinsam mit Kai soll sie in einem viktorianischen London eine Ausgabe der Grimm'schen Märchen finden. Das scheint jedoch schwieriger zu sein als gedacht, denn als sie dort ankommen, erfahren sie, dass das Buch gestohlen wurde. 
Ehe sie es sich versehen, sind Irene und Kai in einen Kampf hineingezogen worden, in dem erst nach und nach klar wird, wer überhaupt gegeneinander kämpft. Denn jede Welt ist anders, sodass sie hier erst herausfinden müssen, wer zwischen Vampiren, Werwölfen und den Elfen aus Liechtenstein auf welcher Seite steht.
Gemeinsam mit einem Privatdetektiv machen sich die beiden auf die Suche nach dem Buch, während Irene versucht, Kai schnell in diese Arbeit anzulernen: Denn manchmal stehen die Ziele der Bibliothek über dem, was das eigene Moralempfinden als richtig empfindet...



Die Bewertung

Zuallererst: Ich möchte wirklich gern für die unsichtbare Bibliothek arbeiten.
Und dann: Dies ist ein Fantasy-Buch, das anders ist. Toll anders: Genevieve Cogman hat man der unsichtbaren Bibliothek eine Welt erschaffen, die keinem anderen Buch gleicht, und dabei fasziniert. Irene ist eine Hauptfigur, mit der man irgendwie erst warm werden muss: Man lernt sie nur langsam kennen. Dennoch: Das Buch ist eine Empfehlung für jeden, der Fantasy-Bücher liebt, aber endlich mal etwas anderes lesen möchte als das typische Schema. Außerdem ist es wortgewandt geschrieben und unglaublich intelligent. Es fasziniert, das viktorianische London kennenzulernen und auch nach der Hälfte des Buchs hat man noch das Gefühl, erst einen Bruchteil über die unsichtbare Bibliothek zu wissen: Das könnte frustrieren, aber tatsächlich passt das einfach so sehr zu ihr, dass es einen nur ein wenig stört: Gerade genug, um voller Neugierde weiterzulesen.
Das Beste ist, dass noch weitere Bände erscheinen werden: Und darauf freue ich mich!

5 von 5 Punkten

» Die Eismacher ; Ernest van der Kwast

"Wenn Liebe auf der Zunge zergeht. 
Im Norden Italiens, inmitten der malerischen Dolomiten, liegt das Tal der Eismacher, in dem sich die Einwohner auf die Herstellung von Speiseeis spezialisiert haben. Giuseppe Talamini behauptet gar, die Eiscreme wurde hier erfunden. Und er muss es wissen, schließlich haben sich die Talaminis seit fünf Generationen dieser Handwerkskunst verschrieben. Jedes Jahr im Frühling siedeln sie nach Rotterdam über, wo sie während der Sommermonate ein kleines Eiscafé betreiben. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: zartschmelzendes Grappasorbet, sanftgrünes Pistazieneis, zimtfarbene Schokolade. Dennoch beschließt der ältere Sohn Giovanni, mit der Familientradition zu brechen, um sein Leben der Literatur zu widmen. Denn er liebt das Lesen so sehr wie das Eis. Bis ihn eines Tages sein Bruder aufsucht: Luca, der das Eiscafé übernommen hat, ist inzwischen mit Sophia verheiratet, in die beide Brüder einst unsterblich verliebt waren. Und er hat eine ungewöhnliche Bitte …"

Die Geschichte

Giovanni ist ein leidenschaftlicher Liebhaber der Poesie und hat es zum Leiter des Rotterdamer Literaturfestivals geschafft. Eine Leistung, auf die andere Familien vielleicht stolz wären, wäre Giovanni Talamini nicht der Sohn eines Eismachers - und vorgesehen gewesen, die Eisdiele zu übernehmen. Die Familie Talamini ist eine der vielen italienischen Familien, die jeden Sommer in den Niederlanden verbringen und Eis verkaufen. Der Winter ist ihr Sommer, wenn sie sich von den langen Monaten in der Eisdiele erholen.
Giovannis jüngerer Bruder Luca musste nach Giovannis Entscheidung, studieren zu gehen, allein die Eisdiele übernehmen, während auch seine Eltern weiter dort schuften. Luca spricht seitdem kein Wort mehr mit seinem Bruder, der allerdings sowieso durch die Welt reist und ein ganz anderes Leben führt als seine Familie. 
Dann kommt sein Bruder jedoch mit einer Bitte auf ihn zu: Seine Frau Sophia kann keine Kinder von ihm bekommen. Bringt dieser Wunsch Giovanni seiner Familie wieder näher?

Die Bewertung

Ich könnte wahnsinnig viel über dieses Buch schreiben. Vordergründig ist es Giovannis Geschichte: Wie er sich von seiner Familie entfernte und wie sie vielleicht wieder zusammenfinden mögen. Eine Geschichte von italienischen Sturköpfen und Traditionen, die einen Beruf (oder eine Berufung?) beleuchtet, die so nah von uns passiert und uns doch so fremd ist. 
Es ist aber mehr, denn Giovanni erzählt neben seiner Geschichte auch die seines Vorfahrs Giuseppe, der einst die Kunst der Eiscreme in sein italienisches Dorf brachte, als man noch jeden Morgen auf den Berg steigen musste, um Eis zu sammeln, um damit Eiscreme herzustellen. Es ist eine ungewöhnliche, berührende Familiengeschichte mit einem Schreibstil, der frischen Wind hereinwehte und Anekdoten aneinander reiht, bis sie eine Geschichte ergeben: Das Buch beginnt mit Betty Heidler, der ehemaligen Weltrekordhalterin aus Deutschland, einer Hammerwerferin, und den Wirbel, den sie in die Familie Talamini bringt. 
"Die Eismacher" ist ungewöhnliche, aber wunderschöne Lektüre und unbedingt zu empfehlen - auch wenn man Gefahr läuft, unbedingt den ein oder anderen Eisbecher zu essen...

5 von 5 Punkten!

Samstag, 24. Juni 2017

» Drei mal wir ; Laura Barnett

"Eva und Jim sind neunzehn und Studenten in Cambridge, als ihre Wege sich 1958 zum ersten Mal kreuzen. Eine Fahrradpanne führt die beiden zusammen. Was dann passiert, wird den Rest ihres Lebens bestimmen. Wir folgen drei unterschiedlichen Versionen ihrer Zukunft, zusammen und getrennt. Sehen Eva dabei zu, wie sie eine berühmte Schriftstellerin wird. Und Jim, wie er für die Kunst seinen Beruf als Anwalt hinter sich lässt. Wir sehen Partner kommen und gehen, reisen mit ihnen nach London, New York und Los Angeles. In all den Jahren nimmt ihre Liebe immer wieder ungeahnte Wege, von den ersten drei Treffen bis hin zum Finale: Drei Liebesgeschichten, ein Paar."

Die Geschichte

Es beginnt in Cambridge mit einer Fahrradpanne. Eva ist es, die diese Panne erleidet, und Jim, der zufällig vorbei kommt, möchte helfen.
Ab hier folgen wir den beiden auf drei unterschiedlichen Wegen durch ihr Leben: Eva, die für Jim ihren Freund verlässt, die ihn ermutigt, das Jurastudium für die Kunst hinter sich zu lassen, die zu schreiben beginnt. 
Aber auch Eva, die Jim kaum eines weiteren Blickes würdigt und wenig später ihren Freund David heiratet, den es auf die Bühnen der Welt zieht - ein Leben, das sie auch nach New York ziehen lässt, während Jim, dessen Leben von Eva nicht berührt wurde, Anwalt wird und schließlich seine Mutter pflegen muss.
Und wir folgen Eva und Jim, die eine kurze, glückliche Zeit miteinander verleben, bevor eine Schwangerschaft von ihrem ehemaligen Freund David Eva dazu zwingt, Jim zu verlassen und David zu heiraten - damit Jim seine Zukunft nicht für ein Kind opfern muss, das nicht seines ist.
Von hier an folgt die Geschichte den drei Versionen von Eva und Jim, eines Paares, das für den Leser unweigerlich zusammengehören muss - auf den Wegen durch London, Paris, New York, Bristol, Rom und vorbei an Bekannten, Freunden und Familien, die immer wieder auftauchen...


Die Bewertung

Es ist beinahe ein Epos, diese Geschichte von Eva und Jim. Eigentlich ist es ganz simpel: Eva und Jim gehören zusammen, irgendwie. Mit großer Kunst führt die Autorin durch die drei Lebenswege der Protagonisten, besonders faszinieren dabei die vielen Ereignisse, die in jeder Version vorkommen, als hätte das Schicksal einen Rahmen vorgegeben, in dessen weiten Möglichkeiten wir uns bewegen. Die Geschichte führt den Leser zudem durch das gesamte Leben der beiden und zeigt die vielen, vielen Möglichkeiten auf, die nur eine einzige Entscheidung ausmachen können. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen, auch wenn man bei jedem Wechsel zwischen den drei Teilen kurz rekapitulieren muss, an welcher Stelle sich nun Eva und an welcher Stelle sich Jim befindet. Dann ist man wieder mitten drin, folgt ihnen und ihren Partnern, Kindern und Freunden und all den Fixpunkten über die Versionen hinweg.
Nebenher wird man vom Jahr 1958 in die Gegenwart geführt, erlebt mit, wie sich die Zeiten ändern, erlebt verschiedenste Charaktere und wie sie das Leben beeinflussen können, nie, ohne dass man sich selbst fragt, was eine kleine Entscheidung wohl alles ausmachen mag und wie viele Versionen von einem selbst es hätte geben können. Denn eines ist klar: Es gibt viele Wege, aber eigentlich gibt es nur ein Ziel, Eva und Jim bleiben sich treu, auch wenn es in der einen Version viel mehr Umwege geben mag als in der anderen.
Laura Barnetts Debüt war im Sommer 2015 ein Hochgenuss, und jetzt war es für mich ein Ausflug in eine ausgetüftelte Geschichte voller Facetten und Überraschungen, noch dazu mitreißend geschrieben.

5 von 5 Punkten.

Montag, 15. Mai 2017

» Ein guter Tag zum Leben ; Lisa Genova

"Als Joe erfährt, dass er an der seltenen Krankheit Chorea-Huntington leidet, ist er 44 Jahre alt. Wenn es gut läuft, bleiben ihm noch zehn Jahre. Jahre, in denen er die Kontrolle über seinen Körper mehr und mehr verlieren wird. Wie jedes seiner vier Kinder muss auch Katie befürchten, die Krankheit ihres Vaters geerbt zu haben. Gewissheit könnte ein Gentest bringen. Doch kann sie tatsächlich mit dem Wissen leben, das der Test ans Licht bringt?"

Die Geschichte

Joe ist seit vielen Jahren Polizist in Boston, er lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern wie viele andere immigrierte Iren in Charlestown. Er hat noch etwa elf Jahre bis zu seiner Rente vor sich, ein Tag, an dem seine Rosie nach all den Jahren endlich nicht mehr fürchten muss, dass er nicht wohlbehalten aus dem Dienst zurückkehren wird.
Seine Kinder sind alle erwachsen, auch wenn sie noch unter seinem Dach wohnen: Der älteste JJ mit seiner Frau Colleen, Meghan, Ballerina im Boston Theatre, Patrick, der in einem Pub arbeitet, und schließlich Katie, die Jüngste, die Yoga Lehrerin ist.
Als Rosie ihn bittet, sich untersuchen zu lassen, weil sich sein bester Freund wegen mehrerer Auffälligkeiten im Dienst Sorgen macht, ahnt Joe nicht, was das lostreten wird: Er geht davon aus, dass sein Knie ihm eben so seine Probleme bereitet - und jeder vergisst mal etwas, oder? Doch als sie einige Wochen später die Diagnose Huntington erfahren, ändert sich alles: Es ist eine Krankheit, an der er in wenigen Jahren sterben wird. Eine Krankheit, die ihm die Kontrolle über seinen Körper und damit einen großen Teil seines Lebens nehmen wird. Und es ist eine Krankheit, die jedes seiner vier Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ebenso haben könnte...
Jedes Familienmitglied geht mit dieser Diagnose anders um: Weil JJ und Colleen endlich ihr erstes Kind erwarten, ist es für ihn wichtig, sich testen zu lassen - auch wenn das Ergebnis niederschmetternd ist. Meghan entschließt sich auch zu dem Test, während Katie sich von all den Entscheidungen, die so große Auswirkungen auf ihr Leben haben werden, wie gelähmt fühlt. Immerhin ist sie gerade frisch in einer wunderbaren Beziehung - und eigentlich gibt es noch so viel, was sie tun möchte. Was ist schlimmer: Das Unwissen, ob man gesund oder krank ist oder das Wissen, dass man sterben wird?


Die Bewertung

Lisa Genova nähert sich in diesem Buch einer furchtbaren Krankheit: Huntington reißt die Erkrankten mitten aus dem Leben, viel zu früh versterben sie. Auch wenn der Leser durch Joe und seine Tochter Katie, aus deren Perspektiven das Buch geschrieben ist, nur die ersten Symptome der Krankheit kennenlernen, ist es intensiv beschrieben, was sie für die verschiedenen Personen bedeuten. Während Joe lernen muss, sein Leben neu auszurichten und sein Selbstverständnis neu zu definieren, ringt Katie mit so vielen Entscheidungen, dass sie sich kaum mehr vom Fleck rühren kann.
Das Buch ist nicht nur das Porträt einer Krankheit, es zeichnet auch eine irisch-amerikanische Familie zwischen den Generationen ab, fesselt auf die verschiedensten Weisen.


5 von 5 Sternen.

Mittwoch, 3. Mai 2017

» Nächstes Jahr am selben Tag ; Colleen Hoover

"Ausgerechnet am Abend, bevor sie von Los Angeles nach New York zieht, lernen sie sich kennen: die 18-jährige Fallon, Tochter eines bekannten Filmschauspielers, und der gleichaltrige Ben, der davon träumt, Schriftsteller zu werden. Beide verlieben sich auf den ersten Blick ineinander und verbringen die Stunden vor dem Abflug zusammen. Doch wie soll es weitergehen? Wollen sie sich wirklich auf eine Fernbeziehung einlassen und ihren Alltag nur halbherzig leben? Um das zu verhindern, beschließen die beiden, sich die nächsten fünf Jahr jedes Jahr am selben Novembertag zu treffen, dazwischen jedoch auf jeglichen Kontakt zu verzichten. Und wer weiß, vielleicht, so die Hoffnung, klappt es am Ende der fünf Jahre ja mit einem Happyend.
Doch fünf Jahre sind eine lange Zeit - und so kommt ihnen trotz aller intensiven Gefühle, die bei jedem Treffen der beiden hochkochen, ganz einfach das Leben dazwischen …"


Die Geschichte

Fallon ist mit ihrem Vater, dem bekannten Filmschauspieler, an ihrem letzten Tag in Los Angeles zum Mittagessen verabredet, aber das Treffen entwickelt sich anders, als gedacht. Denn ein Junge kommt dazu, der ihrem Vater Paroli bietet zu Dingen, die sie längst herunterschluckt.
Das ist Ben, der die Augen nicht von Fallon lassen kann - was sie wiederum nicht glauben kann: Seit einem tragischen Unfall vor einigen Jahren trägt sie Narben in ihrem Gesicht und auf ihrem Körper, was ihre vielversprechende Karriere als Schauspielerin zu beenden schien.
Doch Ben lässt sich nicht abblitzen, wie es sonst alle tun. Er schafft es sogar, diesen letzten Tag in Los Angeles mit Fallon zu verbringen und ihr das Versprechen abzunehmen, dass sie sich an diesem Tag in den nächsten fünf Jahren immer sehen werden, da sie ihrer Mutter einst versprach, sich vor 23 auf keine ernsthafte Beziehung einzulassen. Beide geben einander "Hausaufgaben" für die 364 Tage bis dahin. Doch kann dieses Etwas zwischen ihnen wirklich Bestand haben, wenn man sich in der Zeit zwischen den Tagen nicht sieht, nicht schreibt, nicht spricht? Denn das ist eine ihrer Regeln: Keine Handynummern oder E-Mail-Adressen austauschen. Und außerdem scheinen längst nicht alle Geheimnisse auf dem Tisch zu sein...




Die Bewertung

Die Geschichte ist dadurch interessant, dass von Colleen Hoover, einer Meisterin der Liebesgeschichten, tatsächlich nur die Tage beschreibt, an denen sich Fallon und Ben sehen. Was dazwischen passiert, erfährt der Leser nur nebenbei. Die beiden Hauptfiguren sind liebevoll beschrieben, wie man es von Colleen Hoover kennt, auch die Nebenfiguren sind sympathisch, auch wenn ich bei ihr immer das Gefühl habe, dass es etwas zu perfekt ist.
Die Geschichte um Fallon und Ben ist gut ausgedacht und spart nicht an Wendungen, mit denen man nicht gerechnet hat. Auch die Vergangenheit spielt natürlich wieder eine große Rolle, aber man verzeiht bei dem fesselnden Stil auch das eine oder andere Klischee.

4,5 von 5 Sternen.

Donnerstag, 16. März 2017

» Nur einen Horizont entfernt ; Lori Nelson Spielman


"Mit zittrigen Fingern öffnet die TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief. Der Absender ist eine ehemalige Schulfreundin, die sie jahrelang gemobbt hat. Die Frau bittet sie nun um Vergebung. Dem Brief beigelegt sind zwei kleine runde Steine und eine Anleitung. Einen Stein soll sie als Zeichen dafür zurücksenden, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah weiß sofort, wer das sein könnte: ihre Mutter. Aber soll sie wirklich zurück zu den schmerzhaften Ereignissen von damals und die Auseinandersetzung mit dem Menschen suchen, der sie am besten kennt? Denn Hannah hat etwas getan, das das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat… "

Die Geschichte

Hannah Farr ist erfolgreich: Sie ist gut in ihrem Job, hat eine steile Karriere hingelegt und moderiert ihre eigene Show in New Orleans. Ihr Freund ist der Bürgermeister der Stadt, sie träumt davon, ihn zu heiraten. Doch dann ist da dieser eine Brief, der mehr ins Rollen bringt, als sie beim Öffnen und Lesen zwei Jahre zuvor hätte ahnen können.
Es ist ein Brief von Fiona Knowles, dem Mädchen, das in der High School einst die Person gewesen ist, die es ihr versagt hat, Fuß in einer neuen Stadt zu fassen. Die in Hannahs Augen mit Schuld daran trägt, dass sich ihre Eltern getrennt haben. Zwei Jahre hat dieser Brief bei Hannah gelegen, weil sie den Vergebungsstein nicht zurücksenden wollte. Doch dann erreicht sie ein Job-Angebot aus Chicago, das für Hannah den nächsten Schritt auf der Karriereleiter bedeuten könnte - und als Exposé sendet sie die Geschichte der Vergebungssteine ein, eine Geschichte, die auch von ihrer Mutter handelt, die in Hannahs Leben seit Jahren keine Rolle mehr spielt. 
Claudia Campbell jedoch, die neue, hübsche, junge Moderatorin des Senders in New Orleans, zwingt Hannah, die Geschichte der Vergebungssteine in diesem Job aufzurollen, als sie Fiona Knowles zu einem Interview in die Sendung lädt. Hannah will ihre private Geschichte nicht einbringen - und sie darf es auch nicht, denn sie hat diese Story immerhin Chicago versprochen. Und diesen Job will sie unbedingt, denn in ihrer Beziehung zu Michael bleibt aufgrund ihrer beider Jobs, aber auch aufgrund seiner Tochter Abby nie genug Zeit für sie beide. Er hat ihr versprochen, dass ein Job in Chicago ihnen ermöglichen könnte, mehr Zeit miteinander zu verbringen. 
Hannah bittet ihre Freundin Dorothy, die Mutter ihres Ex-Verlobten, mit ihrer besten Freundin in die Sendung, die dort in der Öffentlichkeit um Vergebung bitten will. Und dann geschieht es: Der Sender hat Wind bekommen von Hannahs Vergangenheit, plötzlich ist sie gezwungen, mehr preis zu geben, als sie eigentlich wollte - und es stößt eine Reise an, die Hannah zurück führt und auf einmal Tatsachen in einem anderen Licht erscheinen lässt. Was ist damals wirklich passiert, das dazu geführt hat, dass Hannah ohne ihre Mutter bei ihrem Vater aufwuchs? Ist ihre Mutter es, der sie vergeben muss, oder ist eigentlich sie diejenige, die um Vergebung bitten muss? Diese Fragen stellen Hannahs gesamtes Leben auf den Kopf. Und kann ein Vergebungsstein wirklich alte Wunden heilen?

Die Bewertung

"Nur einen Horizont" entfernt ist das dritte Buch nach "Morgen kommt ein neuer Himmel" und "Und nebenan warten die Sterne" von Lori Nelson Spielman, das ich gelesen habe. Es ist vielschichtig und geht ans Herz, Hannah ist eine Figur, die man versteht, deren Weg man mit Spannung verfolgt, deren Geheimnisse man ergründen möchte. Dabei gebe ich zu, dass ich sie in Bezug auf ihre Beziehung zu Michael manchmal am liebsten gerüttelt hätte, aber ihre Freundin Jade spricht aus, was stimmt: Man muss die anderen selbst erkennen lassen, was gut für sie ist.
Mit dem Thema Kindesmissbrauch und Verleumdung spricht dieses Buch Themen an, die nicht alltäglich sind und die das Oberthema Vergebung in einem sehr interessanten Licht beleuchten. Was kostet Verzeihen, was bedeutet Verzeihen überhaupt? Wie viele Sünden tragen wir mit uns herum, die, wenn sie gelüftet würden, weil wir um Verzeihung bitten, eigentlich alles viel schlimmer machen, obwohl es uns befreien sollte?
Hannah findet sich in diesem Prozess auf einmal ganz unten wieder, und vermutlich kann sich damit jeder irgendwie identifizieren. Es macht aber Hoffnung, denn wir wollen wohl hoffen, dass unsere Fehler Vergebung finden können.

4,5 von 5 Sternen.