Dienstag, 19. September 2017

» Die maskierte Stadt ; Genevieve Cogman (Die unsichtbare Bibliothek #2)

Der Nachfolgeband zu » Die unsichtbare Bibliothek.

"Irene Winters ist Agentin der unsichtbaren Bibliothek, die jenseits von Raum und Zeit als Tor zwischen den Welten existiert. Ihr Job ist es, einzigartige, ungewöhnliche oder rare Bücher für diese Bibliothek zu beschaffen. Sie hat gerade auf einer zwielichtigen Auktion einen seltenen Bram-Stoker-Text erworben, als sie und ihr Assistent Kai überfallen werden. Zu spät erkennt Irene, dass es nicht um das Buch, sondern um Kai geht. Er wird entführt, ohne dass Irene es verhindern kann. Die Spur der Verbrecher führt in ein dunkles Venedig des immerwährenden Karnevals. Ein Ort der Masken und Geheimnisse. Und des Todes ..."

Die Geschichte

Irene ist nun die ortsansässige Bibliothekarin in dem London, indem sie vor wenigen Monaten den Verräter Alberich bekämpfen konnte. Gemeinsam mit ihrem Schützling Kai wird sie jedoch angegriffen, nachdem sie auf einer Auktion ein seltenes Buch erwerben konnte. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, schließlich bringt der Job als Bibliothekar für die unsichtbare Bibliothek oft Gefahren mit sich. Dennoch beschließt Irene, kein Risiko einzugehen und bringt das Buch umgehend in Sicherheit, während Kai zu ihrem Freund, dem Detektiven Peregrine Vale, geschickt wird.
Als Irene jedoch zurückkehrt, ist Kai verschwunden. Schnell finden sie und Vale heraus, dass eine Entführung dahinter steckt - offenbar von einem Elfen-Paar, die ihn in eine andere Welt gebracht haben. Da es sich bei Kai um den Sohn des Drachenkönigs handelt, ist es keine einfache Entführung - die schon schlimm genug wäre, immerhin stand Kai unter Irenes Schutz - sondern ein politischer Schachzug. Auch wenn die Drachen auf Irenes Seite stehen, muss sie mit dem Elfenzug in das chaotische Venedig reisen, in dem Kai gefangen gehalten wird - in einer für ihn giftigen Umgebung, in der sie nicht einmal 24 Stunden Zeit hat, ihn zu finden und zu befreien...

Die Bewertung

Im zweiten Teil der Reihe um die unsichtbare Bibliothek löst sich die Handlung von dieser und der Leser wird mit Irene in den Machtkampf zwischen Elfen und Drachen, zwischen Chaos und Ordnung hineingezogen. Irene muss auf eigene Faust inmitten einer vom Chaos verseuchten Welt versuchen, Kai zu retten, ohne auf Unterstützung hoffen zu können. In diesem zweiten Teil überzeugt Genevieve Cogman mit deutlich mehr Action und einer Vielzahl interessanten Figuren, denn die Elfen sind charakterlich völlig anders als Menschen.
Daneben ist es wiederum die sprachliche Gewandtheit, die jede Zeile des Buchs einfach klug und vielschichtig erscheinen lässt: Ein Lesegenuss - aber ist das ein Wunder in einer Buchreihe, die den Wert von Büchern so schätzt?
So ist auch Teil 2 eine absolute Empfehlung für Fantasy-Liebhaber, die mal etwas ganz anderes lesen wollen.

5 von 5 Punkten! 
 

Donnerstag, 7. September 2017

» Barfuß auf dem Sommerdeich: Mein Halligleben zwischen Ebbe und Flut ; Katja Just

"Hooge ist eine winzige Hallig im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer mit rund 100 Einwohnern. Eine davon: Katja Just. Vor 16 Jahren tauschte die Großstädterin ihr Leben und ihre aussichtsreiche Karriere im turbulenten München gegen den beschaulichen Alltag auf der Marschinsel ein und hat es seitdem keinen Tag bereut. Denn: Trotz aller Zurückgezogenheit, langweilig wird es auf Hallig Hooge nie! Von Begegnungen mit eigensinnigen Halligleuten über faszinierende Naturschauspiele bis hin zu ungeahnten Herausforderungen am Rande der Zivilisation hat Katja Just einiges zu erzählen. Mit viel Humor und Liebe zum Detail gibt sie Anekdoten aus ihrem Leben auf der Hallig wieder und zeigt den Lesern, wie ereignisreich und erfüllend der Alltag am vermeintlichen Ende der Welt doch sein kann."

Die Geschichte

Mit gerade einmal 25 Jahren zog Katja Just auf die Hallig Hooge - aus der Großstadt München geradewegs in die Ruhe der Marsch. Die Liebe für die Nordsee und die Hallig, die waren seit Kindheitstagen da, trotzdem fiel die Entscheidung unter anderem aufgrund einer gescheiterten Beziehung. Einen größeren Kontrast kann es kaum geben, das Leben in einer Stadt wie München mit den Bergen vor der Haustür, und dann eines auf der Hallig, wo man meist der Natur recht wehrlos ausgeliefert ist. Norddeutsche Lebensweise gegen bayrische Mentalität: Sie krempelte damit ihr gesamtes Leben um, übernahm nach einigen weiteren Jahren Ausbildung die Ferienhäuser von ihrer Mutter und ihrem Stiefvater und lebte sich in einem völlig anderen Leben ein.
Katja Just berichtet in ihrem Buch in vielen Episoden von sechzehn abwechslungsreichen Jahren auf Hallig Hoogen, von Naturgewalten, Traditionen, Schwierigkeiten und Herausforderungen und ihrer Liebe zu diesem Leben.

Die Bewertung

Ich selbst war noch nie auf einer Hallig, liebe allerdings die Nordsee und interessiere mich auch für Bücher über Lebens"arten", die sich von meiner eigenen unterscheiden. Ich musste mich zunächst ein bisschen über eine Hallig informieren, hier fehlte mir das Fachvokabular, fand es dann jedoch ausgesprochen interessant, von den Begebenheiten in Katja Justs Leben zu lesen.
Eines wird auf nahezu jeder Seite klar: Ihre Liebe zur Hallig und die Freude über die Entscheidung in jungen Jahren. Allerdings scheint mir das ein wenig das Hauptthema des Buches zu sein, nahezu durchgehend wird von ihrem Leben geschwärmt. Persönlich freut es mich natürlich, wenn ein Mensch glücklich und zufrieden ist, irgendwann fiel es beim Lesen jedoch schwer, nicht irgendwie genervt zu sein, denn es klang bald wie ein bisschen belehrend, wenn man das Leben nah an der Natur mit seinem eigenen vergleicht. Obwohl auch von Schwierigkeiten berichtet wurde, habe ich beim Lesen den Eindruck gewonnen, dass dieses Leben auf der Hallig besser ist als meines.
Interessant war das Buch dennoch, immerhin ist das Leben dort sicherlich bemerkenswert und anders. Dennoch ist meine Bewertung:

3 von 5 Punkten

Mittwoch, 6. September 2017

Wenn Bücher auf die Leinwand kommen: Jessica Darling's It List

Normalerweise werden Bücher gelesen und dann sehe ich mir den Film oder die Serie an. Dieser Film ist also eine Besonderheit: An einem (langweiligen) Abend stolperte ich bei Netflix über diesen Film, bei dessen Titel es klingelte, weshalb ich ihn mir ansah - und erst hinterher das zugehörige Buch bestellte.
Nun ist es aber glücklicherweise so, dass dieses Buch der Start in eine Reihe ist, die sozusagen das Prequel zu einer Reihe ist, die ich bereits kenne und liebe: Megan McCaffertys Bücher über Jessica Darlings Schul- und Unizeit. Hier wird nun die Vorgeschichte erzählt...

Die Geschichte

Es ist der Tag, bevor Jessica Darling an die Junior High kommen wird. Ausgestattet mit den Tipps ihrer älteren Schwester, die eine goldene Schulzeit hinter sich hat, soll auch für Jessica der erste Tag ein voller Erfolg werden: Das richtige Outfit, die richtigen Freunde, die richtigen Kurse, der richtige erste Freund.
Das Problem: Ihre beste Freundin Bridget ist plötzlich viel hübscher als sie selbst. Das nächste Problem: Jess ist einfach nicht der Typ fürs Shoppen und Cheerleading - wie soll sie in diese Welt nur hineinpassen? Trotzdem gewinnt Jessica Anschluss, aber es fühlt sich für sie die ganze Zeit so an, als würde sie einem Ideal hinterherlaufen - sie ist einfach nicht so wie ihre große Schwester!
Und so muss Jessica versuchen, ihren eigenen Weg zu finden...

Die Bewertung

Der Film hat mich positiv überrascht, auch ohne dass ich zu dem Zeitpunkt das zugehörige Buch kannte.
Der erste ganz große Pluspunkt: Die Darsteller sind alle dem Alter ihrer Figuren entsprechend - und wie selten kommt das heutzutage vor! Es war erfrischend, wirklich junge Mädchen zu sehen, an der Schwelle zum erwachsen werden, dafür allein schon einmal Hut ab.
Außerdem ist es, genau wie die Bücher von Megan McCafferty, die ich bereits kenne und liebe, erfrischend, eine Hauptfigur zu sehen, die herrlich unperfekt ist, nicht hineinpasst und ihren Weg findet, auch am Ende nicht hineinzupassen: Weil nicht alle gleich sein müssen. Es ist ein High School Film, aber vor allem ist es eine Geschichte über das Anders sein.
Wirklich kurzweilige Unterhaltung!

» Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen ; Petra Hülsmann

"Da hat Karo sich jahrelang abgerackert, um ihr Abi nachzuholen und zu studieren, und wozu das Ganze? Statt endlich die große Karriere zu starten, ergattert sie beim Fußball-Bundesligisten
Eintracht Hamburg lediglich einen Job als Anstandswauwau des Star-Spielers Patrick Weidinger, der in letzter Zeit mehr Energie ins Nachtleben als ins Training steckt. Um sich im Verein zu beweisen, muss Karo einen Zugang zu Patrick finden. Dabei darf sie zwei Dinge nicht aus den Augen verlieren: ihr Ziel - und ihr Herz."

Die Geschichte

Karoline Maus hat es geschafft - endlich hält sie ihre Bachelor-Urkunde in den Händen. Damit kann ihr neues Leben beginnen: Von Bochum zieht sie nur kurz darauf nach Hamburg, wo sie eine Stelle bei einem Unternehmensberater bekommen hat, wohnen wird sie in der WG ihrer besten Freundin. Doch dann der Schock: Der Unternehmensberater hat das Gesetz hintergangen, als sie an ihrem ersten Tag dort erscheint, findet sie nur die Polizei vor. So geht es für Karo wieder ans Bewerbungen schreiben, denn nach Hause zurückkehren möchte sie nicht.
Schließlich bekommt sie einem Job beim Fußball Bundesligisten Eintracht Hamburg einen Job - der sich dann allerdings nur als Fahrdienst und Aufpasser für einen Profi herausstellt, der aktuell aus der Reihe tanzt. Außerdem wird sie allen anderen Angestellten des Vereins als Praktikantin vorgestellt! Wäre da nicht der äußerst niedrige Stand ihres Kontos, hätte Karo sofort abgesagt. Leider hilft es überhaupt nicht, dass Patrick Weidinger, ihr "Schützling", sich ihr gegenüber ausgesprochen unfreundlich verhält und sie während der Trainingszeiten mit Aufgaben wie der Fanpost betraut wird.
Aber Karo ist kein Mensch, der aufgibt: Auch dieser Job kann ein Sprungbrett sein und so arbeitet sich Karo mit Fleiß in die neue Welt ein und schafft es sogar, Patrick Weidinger menschlicher werden zu lassen...

Die Bewertung

Schon das Buchcover samt dem Titel sehen nach "Chick Lit" aus: Wohlfühlliteratur, Sie findet ihn / Er findet sie, ein bisschen Herzschmerz und am Ende ein Happy End.
Natürlich ist Petra Hülsmanns Roman streng genommen diese "Chick Lit", aber hier gibt es eben noch mehr: Wirklich tolle Charaktere, ein flüssiger, humorvoller und angenehmer Schreibstil und kein übertriebenes Drama, keine an den Haaren herbei gezogenen Hindernisse, und das alles in einem realistischen, angenehmen Setting (trotz eines erfundenen Fußballvereins), in dem auch Nebencharaktere zu echten Figuren werden und nicht nur schmückendes Beiwerk, das in den richtigen Momenten die Handlung voranbringt, sondern ihre eigenen Geschichten erzählen. Damit gibt es eine eindeutige Entscheidung:

5 von 5 Punkte

Donnerstag, 31. August 2017

» Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen ; Wigald Boning

"Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch."

Die Geschichte

Im Sommer 2015, der (nicht nur) in München außerordentlich heiß war, beschloss Wigald Boning das erste Mal, unter freiem Himmel zu übernachten. Sehr kurzentschlossen übernachtete er nahe der Isar auf einer kleinen Insel, bald Boning-Insel getauft. Aus dieser Idee entstand ein Projekt, in dem der Schauspieler, Komiker und Sportler mehrere Monate lang draußen schlief.
Wigald Boning beschreibt in seinem Buch nicht nur skurrile und abenteuerliche Ereignisse an den verschiedensten Orten der Welt, er beschreibt auch die Ausrüstung, die Probleme und philosophiert darüber, wie man auf so etwas kommt - und wie man dann mit so einem Plan umgeht.

Die Bewertung

Mit sehr intelligenten und vor allem unterhaltsamen Texten unterhält Wigald Boning mit seinen Zelt-Abenteuern. Für jemanden, der es ihm gern nachmachen würde, hat er Tipps und Tricks parat, er berichtet aber auch von Schwierigkeiten, besonderen Momenten und vor allem den Begegnungen - auf Campingplätzen, in der freien Natur, an besonderen Stätten (wie dem Stadion von Werder Bremen). Daneben berichtet er von den vielfältigen Reaktionen, mit denen er sich konfrontiert sah (angefangen über Fragen zur Kälte, zur Hygiene und zum großen "Warum?"). Außerdem nimmt er den Leser mit auf eine Reise durch den Alltag eines (selbst betitelten) B-Prominenten: Fernsehsendungen, Auftritte des eigenen Programms, sportlicher Alltag und spontane Reisen (nach denen man selbst unbedingt losreisen möchte zu den Shetland Inseln).
Wigald Bonings Buch ist kurzweilig und interessant, gespickt mit dem Humor, den man von ihm aus dem Fernsehen längst kennt.
Meine heimlichen Highlights fußen im Übrigen auf Erinnerungen an die Sendung "Genial daneben", denn Herr Boning benutzt im Zelt beispielsweise einen Reichweitenverlängerer, den es in der Sendung einst zu erraten galt: Vornehmlich für Piloten zur Aufbewahrung des Urins auf langen Reisen...

4,5 von 5 Punkten

Mittwoch, 30. August 2017

» Der Schatten des Windes ; Carlos Ruiz Zafón

"Daniel Semperes Leben im grauen Barcelona der Nachkriegszeit erfährt eine drastische Wende, als er die Schicksalsbahn eines geheimnisvollen Buches kreuzt. Er gerät in ein Labyrinth abenteuerlich verknüpfter Lebensläufe, und es ist, als wiederhole sich vergangene Geschichte in seinem eigenen Leben. Die Menschen, denen er bei seiner Suche nach dem verschollenen Autor begegnet, die Frauen, in die er sich verliebt - sie alle scheinen Figuren in einem grossen Spiel, dessen Fäden erst ganz am Schluss sichtbar werden."

Die Geschichte

1945 wird Daniel Sempere von seinem Vater zum Friedhof der vergessenen Bücher geführt, nachdem er nachts aufwachte und das Gesicht seiner verstorbenen Mutter vergessen hatte. An diesem seltsamen Ort entdeckt Daniel das Buch "Der Schatten des Windes" des Autors Julián Carax, das den 10-jährigen sogleich fesselt und nicht mehr loslässt. Doch es ist nicht einfach nur ein Buch. Daniel, der in einer Buchhandlung lebt und aufgewachsen ist, will mehr von diesem unbekannten Autoren lesen und gerät so in den Strudel der Geschehnisse rund um die verlorenen Bücher des Julián Carax - und mitten hinein in die Gefahr. Wer war dieser Autor? Wer ist die Person, die überall in Buchhandlungen und Bibliotheken einbricht, um die letzten Exemplare der Geschichten in Brand zu setzen und zu vernichten?
Daniels Suche erstreckt sich über Jahre, und manchmal durch Zufall, schließlich jedoch durch gezielte Recherche kommt er Stückchen für Stückchen hinter das große Geheimnis um Julián Carax. Doch im Nachkriegs-Spanien ist nie sicher, wem der junge Mann vertrauen kann.

Die Bewertung

Es ist das erste Buch von Carlos Ruiz Zafón, das ich gelesen habe, und schon während der ersten Seiten fragte ich mich, wie es dazu kommen konnte, dass ich so lange gewartet habe. Das Schlimmste: Halb hatte ich vor, das Buch ungelesen zurück in die Bücherei zu geben - was wäre das für eine Schande gewesen!
Carlos Ruiz Zafóns Schreibstil fesselt von der ersten Seite hinweg in bildgewaltiger, metaphorischer, kluger und ironischer Sprache. Auch wenn ich zuerst nicht richtig wusste, aus welchem Genre das Buch eigentlich stammt, fiel es schwer, es aus der Hand zu legen. Normalerweise habe ich eine instinktive und eigentlich nicht zu erklärende Scheu vor Büchern mit geschichtlichem Hintergrund, aber man muss sich mit der spanischen Geschichte nicht gut auskennen, um mitgerissen zu werden - sie bettet die Geschichte einfach nur ein.
Aus der Perspektive von Daniel Sempere verfolgt der Leser von 1945 an über elf Jahre den Weg des Jungen zur Wahrheit - er kommt von Julián Carax und dem Rätsel um ihn nicht los, wird dabei erwachsen und entwickelt sich. Hinter der Geschichte von Daniel wird die tragische Geschichte von Julián Carax selbst erzählt, bis am Ende des Buchs beinahe alles offenbart ist, und man als Leser mit diesem Gefühl der Zufriedenheit und gleichzeitigen Leere zurückbleibt, wenn ein Meisterwerk zu Ende gelesen wurde. Die Figuren rund um Daniel auf seiner Suche sind wunderbar beschrieben und herausgearbeitet, sie haben Charakter und Einzigartigkeit. Mit am schönsten ist die Sprache Zafóns, sie fesselt einen ebenso sehr wie Daniel Sempere vom Roman im Roman gefesselt wurde. Fein gewoben hat der Autor das Mysterium und bis zum Ende wird der Leser überrascht, was einfach eine Kunst ist. Höchster Lesegenuss und daher

mindestens 5 von 5 Punkten!

Montag, 14. August 2017

» Die Diagnose: Wenn Ärzte zu Detektiven werden - rätselhafte Krankheiten und ihre Ursachen ; Anika Geisler (Hrsg.)


"Eine Schlange im Bauch, ein Zahnstocher in der Leber, ein Ballon in der Luftröhre: Manchmal verbergen sich hinter quälenden medizinischen Beschwerden bizarre Erklärungen. Jede Woche berichten Ärzte im Magazin stern von ihren außergewöhnlichsten Fällen. Die Rubrik »Die Diagnose« gehört zu den beliebtesten Seiten der Zeitschrift. Erstmals zusammengefasst in einem Buch erzählen Mediziner von Patienten, die an rätselhaften Symptomen leiden und deren ungewöhnliche Krankengeschichten dank akribischer Detektivarbeit zu einer überraschenden Auflösung kommen."

Die Geschichte

Anika Geisler sammelt in diesem Band die Berichte verschiedenster Ärzte zu mysteriösen Krankheitsgeschichten und der Weg der Mediziner zur Erkenntnis. Dabei geht es des Öfteren über völlig kuriose Symptome, von denen die Patienten gequält werden, bis hin zu Krankheitsbildern, die auf den ersten Blick eindeutig sind, dann aber zu einer Odyssee führen, wenn es doch nicht ganz so eindeutig ist und erst der richtige Behandlungsweg gefunden werden muss.
In diesem Buch werden die verschiedenen Berichte zusammengetragen, die sonst vom Stern in der Rubrik "Die Diagnose" publiziert werden, sodass man einen interessanten Einblick in die Welt der Mediziner erhält, die man sonst nur von der anderen Seite kennt - und hoffentlich auch nie aus einer so mysteriösen Perspektive.

Die Bewertung

Anika Geisler und andere Autoren haben die Berichte von Medizinern aufgenommen und zusammengetragen. Jeder Bericht ist nur etwa drei Seiten lang, er wird mit einer kurzen Zusammenfassung eingeleitet.
Leider habe ich nach wenigen Berichten aufgehört, diese einführenden Zeilen zu lesen, da sie teilweise irreführend waren und zudem einen gewissen Überraschungseffekt genommen haben.
Zudem waren die Berichte aufgrund ihrer Kürze und der Tatsache, dass sie von Medizinern geschrieben wurden, auch recht nüchtern. Interessant und spannend war es natürlich trotzdem, aber ein bisschen medizinisches Hintergrundwissen wäre in vielen Fällen hilfreich gewesen, um zu verstehen, was genau im Sachverhalt so interessant/kompliziert/erstaunlich/mysteriös gewesen ist. So bleiben am Ende viele kurze Berichte, die auch durchaus kurzweilig waren, aber für jemanden, der im medizinischen Bereich kaum Ahnung hat, war es irgendwann zu viel an Information für eine schöne Lese-Runde.

3 von 5 Punkten