Mittwoch, 6. Oktober 2021

» Auf Basidis Dach ; Mona Ameziane


"Zuhause ist für Mona Ameziane der Norden des Ruhrgebiets, aber auch der Norden Marokkos. In ihrem ersten Buch erzählt sie vom Aufwachsen zwischen zwei Kulturen, die mehr zu trennen scheint als drei Stunden Flugzeit, von abenteuerlichen Taxi-fahrten durchs Atlasgebirge und von einer leeren Dachterrasse voller Erinnerungen.

Als Mona ihren Vater fragt, wie oft sie wohl schon in Marokko war, denkt er nur kurz nach und antwortet: »Nimm einfach dein Alter mal eineinhalb, das müsste passen.« Wie genau er auf diese Formel kommt, weiß sie nicht, aber sie ist fest entschlossen, noch mehr Fragen zu stellen. Nicht nur ihrem Vater, sondern auch sich selbst und dem Land, das für sie schon immer mehr war als für die meisten Menschen in Deutschland. Mehr als Urlaubsziel oder »Herkunftsland« in der Zeitung nach einem Terroranschlag – mehr als oberflächliche Orientromantik und rassistische Stereotypen. Ihre Suche führt sie nach Fes zum Haus ihrer Großeltern, nach Agadir, wo sie die reichste Seite des Landes kennengelernt hat, und in abgelegene Dörfer, in denen Menschen beim Wort »Europa« nur verständnislos mit den Achseln zucken."


Die Handlung

Mona Ameziane könnte den Lesern bekannt sein als Moderatorin der 1live Stories, als Reporterin für Neueinhalb oder als jemand, der auf Instagram sehr gute Bücher empfiehlt. Mit Auf Basidis Dach hat sie nun ihr erstes eigenes Buch geschrieben und beschreibt darin, was ihr Marokko, die Heimat ihres Vaters bedeutet. Herkunft, Familie und Identität sind Themen, die sich wie rote Fäden durch die Episoden ziehen, in denen Ameziane über ihre Kindheit und Jugend spricht, die Bedeutung ihrer Familie in Marokko, insbesondere ihre Großeltern, über Alltagsrassismus, die Bedeutung von Religion in ihrem Leben und im Leben ihrer Familie und über eine Reise nach Marokko. 

Die Bewertung

Mona Ameziane kann schreiben und das wirklich richtig gut: Ich habe das Buch geradezu verschlungen und habe sehr viel sehr bildhaft vor Augen gehabt.
Das Buch erzählt so offen und ehrlich, humorvoll und kritisch, emotional und bildreich, dass es wirklich ein Lese-Vergnügen war. Zwischen Kapiteln, die wie ein sehr ehrlicher Reisebericht wirken, sind Anekdoten aus ihrer Kindheit und Jugend, zwischen Marokko und dem Ruhrgebiet, Bewertungen der beiden Religionen, mit denen sie aufgewachsen ist, die ihr aber dennoch nicht aufgedrückt wurden, Rassismus-Erfahrungen, Privilegien, die Suche nach Heimat. Es wirkt wahnsinnig authentisch, diese Gefühle für ihre zwei Heimaten, die Beziehung zu ihrem Vater und seiner Familie, die geschilderte marokkanische Kultur.

5 von 5 Sterne für dieses Buch!

Mittwoch, 21. Juli 2021

» Die Reise beginnt ; Jamie Littler (Die Legende von Frostherz #1)


"Vom Rest der Menschheit abgeschnitten durch Leviathane, die in einem Ozean aus Schnee lauern, liegt die Siedlung der Feura. Dort wartet der junge Ash in der Obhut seines Vormunds, des grummeligen Yetis Tobu, auf die Rückkehr seiner Eltern. Als Ashs magische, aber verbotene Fähigkeit des Klangwebens enthüllt wird, verbannen ihn die Feura. Zum Glück nimmt ihn die Frostherz auf, ein Schlitten voll kühner Pioniere. Mit ihnen und seiner neuen Freundin Lunah durchquert Ash das Schneemeer auf der Suche nach seinen Eltern. Leviathane und Krähenhexen sind dabei nur einige Herausforderungen, die er zu bewältigen hat – die allergrößte ist jedoch, sich selbst so anzunehmen, wie er ist."

Die Handlung

Das Dorf der Feura liegt weit im Norden, so weit abseits, dass sich kaum jemals jemand dorthin verirrt. Weil Ashs Eltern ihn als kleinen Jungen zurück gelassen haben, weil sie Pioniere sind, die das Land erkunden und für den Handel zwischen den vielen weit voneinander entfernten Dörfern sorgen, lebt der Junge bei seinem aktuellen Vormund, dem grummeligen, selten gut gelaunten Yeti Tobu, während sich das Dorf gegen die eisigen Bedingungen und gegen die gefährlichen Leviathane zur Wehr setzen muss, die das Land heimsuchen. Denn die Leviathane sind Schuld daran, dass die Dörfer immer kleiner werden, dass es schwierig ist, zu jagen - gefährliche Monster, die überall lauern und keinerlei Gnade zeigen.
Als ein Schlitten voller Pioniere im Dorf ankommt und auf dem Weg zu ihnen in furchtbare Gefahr geraten, wird jedoch enthüllt, dass Ash anders ist - ein Klangweber, eine der gefürchtetsten Fähigkeiten im ganzen Land. Dabei kann Ash einfach nicht verstehen, warum ihn alle so fürchten, wo er es doch gerade war, der die Frostherz, den Schlitten, gerettet hat! Egal, wie sehr er versucht, allen zu erklären, was sie falsch verstehen, wird der Junge auch schon aus dem Dorf der Feura verstoßen - und schließt sich deshalb kurzentschlossen den Pionieren auf der Frostherz an! Er hat die Hoffnung, mit ihnen seine Eltern zu finden - und zu enthüllen, was es mit dem Klangweben genau auf sich hat...

Die Bewertung

Dieses Buch ist ein absolutes Kunstwerk. Jamie Littler ist nicht nur Autor, sondern Illustrator und das sieht man auch, denn das Buch ist gespickt mit liebevollen Bildern von Ash und den anderen Figuren, der eisigen Landschaft, den gruseligen Monstern. Das erzeugt eine wahnsinnige Atmosphäre beim Lesen (oder Vorlesen), die einen durch die Geschichte begleitet. Außerdem liebe ich Bücher mit Karten und die Karte des Landes sieht fantastisch aus - auch wenn wir in Band 1 der Reihe nur einen kleinen Ausschnitt mit Ash kennenlernen.

Mir haben besonders die vielen ziemlich schrägen Figuren im Buch gefallen, die Ash auf seinem Weg findet: der Yeti Tobu, der stets grummelig ist, kaum je ein fröhliches Gefühl zeigt und Ash oft das Leben eher erschwert, als es ihm erleichtert. Die junge Drifterin Lunah, die von einem Volk abstammt, das seinen Stolz daraus zieht zu navigieren und unentdeckte Lande zu finden. Eigentlich die gesamte Crew des Schlittens Frostherz mit der Mursu-Kapitänin Nuk oder dem Vulpis Master Podd - es sind diese Geschöpfe, die von Jamie Littlers großer Fantasy künden und die Welt bereichern. Diese Welt ist fantastisch und auch wenn die Geschichte für mich persönlich an einigen Stellen etwas ziellos wirkte, wenn Ash nicht so recht weiß, wohin er möchte oder was er tun soll, so hat mir das Lesen doch großen Spaß gemacht. Dies ist insbesondere ein Buch, an dem ich Kinder beim Lesen und Vorlesen eine Liebe zum Lesen entdecken sehe - und das ist einfach toll!


4 von 5 Sterne!

Sonntag, 28. Februar 2021

» Daisy Jones & The Six ; Taylor Jenkins Reid

"Daisy Jones, jung, schön, von ihren Eltern vernachlässigt, hat eine klare Stimme und einen starken Willen: Sie möchte mit ihren eigenen Songs auf der Bühne stehen. Als sie zum ersten Mal gemeinsam mit THE SIX auftritt, ist das Publikum elektrisiert von ihr und Billy, dem Leadsänger der Band. Die beiden zusammen sind nicht nur auf der Bühne explosiv und führen die Band zu ihrem größten Erfolg, auch Backstage sprühen die Funken … "

Die Handlung

Der Roman schildert die Entwicklung der Band The Six und die Anfänge von Daisy Jones, bis sie aufeinander treffen und zu Daisy Jones & The Six werden und einen ebenso kometenhaften Aufstieg hinlegen - wie auch einen dramatischen Absturz. Musikalische Genies, Egos und der Kampf gegen innere wie äußere Dämonen - eine Interviewsammlung über eine geheimnisvolle Bandgeschichte in den 70er Jahren. 

Die Bewertung

Ich bin wahnsinnig hin und hergerissen - und das war ich auch beim Lesen. Taylor Jenkins Reid hat mit diesem Roman eine Interviewsammlung mit den Protagonisten in der Band und um sie herum geschrieben, die aus ihrer absolut persönlichen Sicht erzählen, wie sich die Band entwickelte, wie sie auf Daisy Jones traf, was das Musikbusiness der 70er Jahre in Los Angeles ausmachte - Höhen, Tiefen, Drogen, Liebe, Sex und Verzweiflung. Die Hauptfiguren sind Daisy Jones und Billy Dunne, der Bandleader von The Six, und viel dreht sich um ihre unmögliche Beziehung zueinander. Und mit ihnen hat Jenkins Reid Hauptfiguren geschaffen, die ich nicht sympathisch finden konnte. Besser erging es mir da mit Camila, Billys Ehefrau, mit Karen, der Schlagzeugerin, mit Graham, Billys Bruder. Sie haben alle ihre Schwächen, ihre eigenen Kämpfe, und das alles trifft im Business aufeinander - einem Business, das allein durch die Persönlichkeit, die in die Musik einfließt, seinen Reiz hat. Und deshalb ist die Trennung dieser Band wohl von Anfang an unvermeidlich.
Dieses Buch handelt von den Egos der Figuren und das reizt einen beim Lesen. Der Interviewstil ist ein Stück weit anstrengend - und gleichzeitig extrem gut gemacht. Von einer Aussage zur nächsten werden Widersprüche aufgedeckt, die mich immer wieder schmunzeln ließen, denn es zeigt einfach, wie unterschiedlich Situationen von Menschen wahrgenommen und erinnert werden. Gleichzeitig war es beim Lesen oft aber auch anstrengend, weil es meinen Lesefluss störte, dass es mehr wie ein Dialog wirkte, obwohl die Interviews getrennt geführt wurden. Oft habe ich einfach die tatsächlichen Erzählungen gelesen und gelesen - und musste zurückschauen, welche Figur hier eigentlich gerade erzählt. Manche Figur blieb für mich sehr eindimensional - aber auch das ist der Interviewform geschuldet, die natürlich den hauptsächlichen Fokus auf die Bandgeschichte und nicht zwangsläufig auf die persönlichen Erlebnisse gelegt hat. Einige Plotfäden wurden kurz entwickelt und gingen dann wieder im großen Ganzen verloren, wurden teilweise später wieder aufgegriffen oder wiederholt, manchmal blieben sie jedoch verschwunden.
Ich verstehe, warum dieses Buch von so vielen gefeiert wird - ich liebe die starken weiblichen Figuren - aber ich persönlich habe beim Lesen zu oft gestockt. Außerdem, und das ist wiederum sehr persönlich, finde ich so drogenlastige Geschichten anstrengend und bedrückend und brauche jemanden aus der ersten Reihe, mit dem ich mich identifizieren kann.

3 (3,5) von 5 Sterne

Dienstag, 23. Februar 2021

» Mädchen, Frau etc. ; Bernardine Evaristo

"Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben.

Auch wenn die Frauen, ihre Rollen und Lebensgeschichten in Bernardine Evaristos Mädchen, Frau etc. sehr unterschiedlich sind, ihre Entscheidungen, ihre Kämpfe, ihre Fragen stehen niemals nur für sich, sie alle erzählen von dem Wunsch, einen Platz in dieser Welt zu finden. "

Die Handlung

Amma, Shirley, Bummi, Penelope, Jazz... Bernardine Evaristo versammelt in ihrem Roman die Geschichten von Frauen. Frauen, die ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfen müssen, die ihre Identitäten finden und verteidigen müssen, Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen machen und sind die Stimmen des Feminismus - heute und früher. Denn die Wege dieser Frauen werden nicht nur in der aktuellen Zeit verfolgt, sondern zeigen auch, wo sie herkommen - und wie weit (oder wenig weit) sie gekommen sind.
Amma beispielsweise schreibt Theaterstücke und erhofft sich ihren Durchbruch mit einem Stück, mit dem sie als schwarze Frau und als lesbische Frau ihre Stimme erheben will. Ihre Tochter Jazz sucht an der Universität ihren Weg - zwischen Privilegien und Kämpfen. Mit jeder neuen Figur, die Evaristo einführt, spinnt sie das Netz weiter, denn über die eine oder andere Ecke sind ihre Schicksale und Wege alle miteinander verbunden, was die Neugier auf die neuen Figuren nur steigert.

Die Bewertung

In dieses Buch musste ich mich ein wenig hineinkämpfen, da bin ich ganz ehrlich. Die unkonventionelle Schreibweise, ohne Punkte, ohne wörtliche Rede, mutet beinahe lyrisch an und so hat es einige Kapitel gebraucht, bis ich den Ton des Buchs fühlen konnte und plötzlich feststellte, wie sehr es mich in seinen Bann gezogen hat. Mich faszinieren Geschichten, in denen Figuren auf so unterschiedliche Weisen zusammengehören. Außerdem erzählt die Autorin mit viel Macht über den Kampf der Feministinnen, der Schwarzen Frauen, derjenigen Frauen, die nicht dem heteronormativen, weißen Weg folgen (können und wollen) und damit die Gesellschaft wieder und wieder herausfordern - und damit eine Geschichte schwarzer Frau (in England) nachzeichnet. Ich konnte wieder einmal viel lernen und bin dafür sehr dankbar. Viele Situationen haben mich tief getroffen, sowohl aus einem Mitgefühl heraus als auch wegen einer gewissen Schuld, die ich empfinde wegen meines so leichten Weges. Dieses Buch trägt seine Preise zurecht und sollte von so viel mehr Menschen gelesen werden. 

4 von 5 Sterne

Samstag, 20. Februar 2021

» Heimkehren ; Yaa Gyasi


"Ghana, 18. Jahrhundert: Die beiden Mädchen Effia und Esi wachsen auf, ohne zu wissen, dass sie Halbschwestern sind. Geboren von derselben Mutter, könnten ihre Lebenswege kaum unterschiedlicher sein: Effia heiratet als eine der ersten Frauen des Dorfes einen weißen Engländer, der eine Schlüsselrolle im Sklavenhandel spielt, und folgt ihm auf die Festung Cape Coast, auf der sie fortan lebt. Effia, ihre Halbschwester, wird dagegen bei einem Überfall auf das Dorf gefangen genommen und mit Tausenden anderen erst in die Verliese von Cape Coast und dann auf die Baumwollplantagen Amerikas verschifft. Und mit einer fesselnden erzählerischen Kraft folgt die Autorin Yaa Gyasi den Nachkommen beider Frauen über acht Generationen hinweg bis in die Gegenwart hinein: Von den Baumwollplantagen im Süden der USA über die Große Migration, von den Missionaren und dem Kampf gegen die Briten in Ghana, bis hin zu den Jazzclubs in Harlem entsteht ein berührendes Epos, das tief in die Geschichte der Sklaverei, der Schwarzen in Amerika, des Kolonialismus und der Befreiung eintaucht."

Die Handlung


Zwei Mädchen, deren Leben von Beginn an sehr ähnlich hätte verlaufen können - zwei Schwestern, die sich aber nie kennenlernen werden - zwei Familienstammbäume, die sich auf völlig unterschiedliche Weise entwickeln. Effia wird als junge Frau von ihrer Stiefmutter an einen reichen weißen Sklavenhändler verheiratet, während Esis Dorf von einem anderen Stamm überfallen wird und sie selbst versklavt wird. Von dort an folgt der Leser Generation über Generation von Ghana über die Baumwollplantagen im Süden Amerikas bis nach New York und sieht dabei der Geschichte beim permanenten Wandel zu, bei der Effias oder Esis Familie immer wieder auf den verschiedenen Seiten der Geschichte stehen.

Die Bewertung

In jedem einzelnen Kapitel zeichnet Yaa Gyasi spannende, menschliche Figuren, die eine Brücke schlagen zur Generation davor, was sie einem gleich noch näher bringt, und an ihrer Seite erlebt der Leser die unfassbare Geschichte der Sklaverei auf dem afrikanischen Kontinent, hinein in den Süden der USA. Es ist eine Darstellung von nicht-gehörten Schicksalen, von schwarzem Stolz und Traditionen, aber ebenso von Unterdrückung, Grausamkeit und Ungerechtigkeit. Ich habe viel mitgenommen über die Geschichte von Ghana, ihre Bräuche, ihren Glauben, ihre Weltsicht. Jedes einzelne Kapitel ist so spannend und faszinierend erzählt, dass man am Ende einer Perspektive dem Weg der Figur noch viel weiter folgen möchte, während man gleichzeitig ungeduldig ist zu erfahren, welche Figur als nächstes auf einen wartet und wie ihr Weg aussehen wird. Das Buch ist in keiner Weise leichte Kost, es ist wichtig, dass diese Geschichte schonungslos erzählt wird, aber die erzählerische Kraft in den Worten von Yaa Gyasi ist immens. 

Ein besonderer Blick: Das Hörbuch

Eine Ansammlung von vielen von Deutschlands besten Hörbuchsprechern hat Der Audio Verlag für dieses Hörbuch versammelt: Bibiana Beglau, Jule Böwe, Johann von Bülow, Britta Steffenhagen, Wanja Mues, Bjarne Mädel, Götz Schubert, Rike Schmid, Judith Engel, Lisa Wagner, Stefan Kaminski, Felix Goeser, Jodie Ahlborn und Max Mauff lesen die einzelnen Kapiteln, was den Figuren noch viel mehr Leben einhaucht. 

5 von 5 Sterne

Freitag, 19. Februar 2021

» Couchsurfing in Saudi-Arabien (Meine Reise durch ein Land zwischen Mittelalter und Zukunft) ; Stephan Orth

"Als Saudi-Arabien erstmals Touristen einreisen lässt, packt Bestsellerautor Stephan Orth sofort den Rucksack. Von Couch zu Couch erkundet er das Königreich und erhält Einblicke in eine verschlossene Gesellschaft, wie sie bisher keinem westlichen Besucher möglich waren. Er wird Zeuge eines radikalen Wandels, sieht Frauen Auto fahren und tanzt mit Zehntausenden beim Wüsten-Rave. Doch jenseits der Glitzerwelt gelten drakonische Strafen, und an der Grenze zum Jemen sind die Bomben nicht zu überhören. Stephan Orth berichtet von seiner bisher aufregendsten Reise."

Die Handlung

Saudi-Arabien öffnet seine Grenzen für Touristen - und Stephan Orth reist in das Land ein, um eine weitere Couchsurfing-Reise anzutreten. Im Vorfeld hat er Kontakt aufgenommen zu verschiedenen Einheimischen, die auf der Couchsurfing-Website angemeldet sind, um eine Reise durch das ihm (und uns) so unbekannte, so ferne und bisher so verschlossene Land zu machen, dieses kennenzulernen, seine Traditionen, Werte, den Alltag der Menschen. Dabei überrascht er die Menschen, die vor ihm wohl noch nie eine Person getroffen haben, die nicht aus dienstlichen Gründen eingereist ist. 
Wie auch in seinen Büchern über die Reisen durch China, Russland und den Iran trifft er auf eine vielfältige Mischung aus Menschen (hauptsächlich natürlich auf Männer), die ihm ihr eigenes Saudi-Arabien zeigen - zwischen Religiosität, Traditionen und dem unaufhaltsamen Weg in die Moderne - und auch geprägt von einer scheinbaren Kritikabwesenheit an der Regierung ihres Landes.
So reist Orth durch die großen Städte ebenso wie durch die Wüste und berichtet von spannenden, widersprüchlichen und teils absurden Begegnungen in diesem eben sehr widersprüchlichen Land.

Die Bewertung

Stephan Orth hat eine weitere Reise angetreten, um ein eher ungewöhnliches Urlaubsland auf recht unkonventionelle Weise kennenzulernen: in dem er die internationale Website Couchsurfing nutzt, mit der er mit Einheimischen Kontakt aufnimmt, um nicht nur auf ihren Sofas eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, sondern auch das echte Leben kennenzulernen.
Saudi-Arabien ist zum einen ein Land, das erst 2019 seine Grenzen für Touristen öffnete - bis dahin war es unmöglich, als ein solcher ein Visum zu erhalten. Doch die Regierung hat einen maximal offensiven Weg zur Modernisierung des Landes eingeschlagen und dazu gehört auch, den Tourismus ins Land zu holen. Zum anderen ist Saudi-Arabien aber auch in unseren Köpfen mit Grausamkeiten wie dem Mord an Jamal Khashoggi verbunden, mit einem radikalen Islam, mit der Unterdrückung von Frauen. Der Autor ist auf die unterschiedlichsten Menschen auf seiner Reise getroffen und berichtet von diesen Begegnungen ehrlich, aber auch mit einer feinen Prise Humor, so absurd sie manchmal sein können. Dabei versucht er, unvoreingenommen auf Land und Leute zuzugehen, unterschlägt aber die kritischen Momente nicht, die er erlebt und aus den Gesprächen mitnimmt.
Das Buch endet mit einem sich schließenden Kreis: Endlich waren die Grenzen geöffnet, da sorgt Covid-19 dafür, dass sie sich wieder schließen.

4 von 5 Sterne

Montag, 31. August 2020

Der Herr der Ringe - und Ich

 Oder: Mein Weg nach Mittelerde

Obwohl ich schon, seit ich denken kann, eine begeisterte Leserin von Fantasy-Büchern war, habe ich keinen Zugang zur Welt von "Herr der Ringe" gefunden, als ich jünger war. Vielleicht habe ich damals angenommen, dass man entweder Harry Potter liebt, oder eben Herr der Ringe (was für ein blöder Gedanke). 
Im Studium kam ich dann an den Punkt, dass jede Menge meiner Freunde (große) Fans der Serie waren und ich zumindest endlich die grobe Handlung kennen wollte. Mehr, als dass es um einen Ring geht und Hobbits und Elben und Zwerge, wusste ich nämlich nicht. Also habe ich mir damals die DVDs ausgeliehen und sie angesehen, um wenigstens grob mitreden zu können. Womit ich ja streng genommen sehr gegen meine übliche Haltung spricht, Bücher zu lesen, bevor ich die Verfilmung anschaue. Die Bücher jedoch waren ein ganz anderes Level der Einschüchterung im Vergleich zu diesen auch schon sehr langen, sehr geliebten Filmen. 
Im Grunde war es jedoch gut, dass ich die Filme kannte, denn so stand einem Familien-Kino-Date nichts im Wege, als die Hobbit-Filme Premiere hatten. Was eine kleine wiederkehrende Tradition wurde, denn auch die anderen Filme sahen wir gemeinsam an und versuchten, diese Filme in kleinen, gemütlichen Kinos zu sehen, was wirklich schöne Erinnerungen sind.

 Im Frühjahr 2020 kam dann ein Moment, in dem mehrere Dinge zusammenkamen, vor allem: 
  • Ich bin in die Welt von Bookstagram gerutscht und habe ab und zu festgestellt, dass mit Tolkiens Werk ein absoluter Klassiker der Fantasy-Literatur in meiner "Statistik", meinem Wissen einfach fehlt
  • Ich habe endlich wieder einen Blick auf die Rory Gilmore Lese-Challenge geworfen, die ich ein wenig (oder ziemlich) vernachlässigt hatte - und auch hier ist Tolkien natürlich vertreten
Mein Ehrgeiz war (endlich) geweckt worden. Also habe ich mir das eBook vom Hobbit aus der Bücherei ausgeliehen (und dabei ignoriert, dass ich das Buch sogar im Schrank stehen hatte) und angefangen. Und was soll ich sagen? Ich bin durch die Seiten geflogen. Es hat so wahnsinnig viel Spaß gemacht, es hat das tolle Filmerlebnis vertieft und mich in meiner Entscheidung mehr als bestärkt. Der Hobbit war ein Türöffner, dabei weiß ich, dass ich oft erzählt habe, wie ich als Teenager durchaus in das Buch hineingeschnuppert hatte - und von den ausufernden Beschreibungen abgeschreckt wurde.

Für den Sommer habe ich mir die Herr der Ringe-Ausgaben von meinem Vater ausgeliehen, die komplett coverlos sind, einen kleinen Wasserschaden erlitten haben und nicht einmal ein Erscheinungsdatum verraten. 
Ich kann keine Rezension über diese wunderbaren Klassiker schreiben, weil es nichts gibt, was ich den unzähligen klugen Menschen hinzufügen könnte, die seit Jahrzehnten über den Mittelpunkt von Tolkiens Werk über Mittelerde schreiben. Aber ich möchte sagen, dass ich, nachdem ich gestern die letzte Seite umgeblättert habe, von einer wehmütigen Stimmung erfasst wurde und noch immer der Geschichte hinterher hänge.
Es ist ein Wunder, wie Tolkien mit teilweise so wenigen Sätzen Charaktere erschafft, die einem richtig am Herzen liegen. Wie unfassbar reich und weit seine Welten gehen. Wie viel von Tradition und Lebensweise über die Völker von Mittelerde vermittelt wurde, obwohl sich alle mitten in einem Krieg befanden und wir kaum einmal dem normalen Leben folgen konnten. 
Ich habe ein Stück meines Herzens an diese Bücher verloren, spät genug. Das Schöne ist, dass es so viel mehr von Tolkiens Mittelerde noch zu erkunden gibt, worauf ich mich freuen kann. 

Dienstag, 11. August 2020

» Der Bär und die Nachtigall ; Katherine Arden (Winternacht-Trilogie #1)

"In einem Dorf am Rande der Wildnis, weit im Norden Russlands, wo der Wind kalt bläst und der Schnee viele Monate des Jahres fällt, erzählt die alte Dienerin Dunja den Kindern des Grundbesitzers Pjotr Wladimirowitsch Geschichten über Zauberei, Folklore und den Winterkönig mit den frostblauen Augen. Verbotene Geschichten über eine uralte Magie. Doch für die junge, wilde Wasja sind dies weit mehr als Märchen. Sie allein kann die Geister sehen, die ihr Zuhause beschützen. Und sie allein spürt, dass sich in den Wäldern eine dunkle Magie erhebt .."

Die Handlung

Im hohen, kalten Norden von Rus lebt Pjotr Wladimirowitsch mit seiner Familie. Seine Frau Marina stirbt bei der Geburt ihrer jüngsten Tochter Wasilisa, Wasja genannt, die deshalb unter der Fittiche der alten Dienerin und Kinderfrau Dunja und ihren zahlreichen Geschichten von alten Göttern und Geheimnissen aufwächst. Wasja ist wild und ungezähmt, weshalb ihr Vater, als sie sieben wird, beschließt, wieder zu heiraten, um sie an der Hand einer neuen Mutter erziehen zu können. Doch mit Anna Iwanowna zieht eine fromme, gottesfürchtige Frau in das Haus der Familie ein und die Dinge beginnen sich zu ändern. Einzig Wasja scheint die Hausgeister zu sehen, die das gesamte Dorf schützen. Einzig Wasja kann eine Verbindung zu dieser alten Magie spüren, während ein junger Priester das Dorf auf einen Pfad der Angst führt. Und so ist das Mädchen die Einzige, die die Gefahr wahrnimmt, die aus dem dunklen Wald zu kommen droht...

Die Bewertung

Dieses Buch ist magisch erzählt und erzeugt eine wahnsinnig tolle Atmosphäre. Beinahe spürt man den eisigen Wind des kalten Nordens, wenn man Wasja folgt, die eine mutige und kantige Hauptfigur abgibt, von der man gerne liest. Dabei ist die Geschichte sehr langsam erzählt: Erst im letzten Drittel nahm eine wirkliche Handlung Fahrt auf, bis dahin entwickelten sich an verschiedenen Schauplätzen langsam die Dinge, erzählt aus den Perspektiven der verschiedenen Figuren. Dennoch ist die Geschichte nicht langweilig, denn die Atmosphäre ist so dicht gewebt, dass man mittendrin ist. Dies ist eindeutig der Auftakt zu einer größeren Geschichte und auf der letzten Seite konnte ich es kaum erwarten, das nächste Buch in die Finger zu bekommen. Die Welt voller Mythen und Märchen ist faszinierend und macht auch deshalb den Zauber der Geschichte mit aus. Außerdem sind die Figuren sowohl liebenswert als auch verachtenswert - jede lebendig beschrieben und mit Ecken und Kanten versehen. Die Geschichte ist, so langsam und actionarm, wie sie daherkommt, wie ein russisches Märchen, das beim Feuerschein erzählt wird, bevor einen die Geschichten noch in die Träume begleiten. Und ich habe lange keine Hauptfigur mehr begleitet, die so stark, eigensinnig und furchtlos war wie Wasja.  

4 von 5 Sterne
(und voller Vorfreude auf Band 2!)

Mittwoch, 22. Juli 2020

» Sicherheit ist eine verdammt fiese Illusion ; Kyra Groh

"Manchmal stellt Mia sich vor, ihre Krankheit wäre eine beneidenswerte Superkraft. Tatsächlich ist es im Alltag aber ganz schön problematisch, wenn man keine Schmerzen empfinden kann und
blindlings in alle Gefahren läuft. Das weiß Mia spätestens seit jenem Abend, an dem sie ihre Mutter verlor. Die quälende Erinnerung daran ist gleichzeitig ihr größtes Geheimnis. Zumindest bis sie Jake kennenlernt, der seinen eigenen Kummer im Fitnessstudio von Mias Vater bekämpft. Ihm kann sie sich anvertrauen, und auch er erzählt ihr von den dunklen Seiten in seinem Leben. Obwohl die beiden so verdammt unterschiedlich sind, haben sie zum ersten Mal das Gefühl, dass Sicherheit vielleicht mehr sein könnte als eine fiese Illusion."

Die Handlung

Mia ist 17, lebt mit ihrem Vater über dessen Fitnessstudio und hat eine Krankheit, die dafür sorgt, dass sie Mauern um sich herum aufgebaut hat: Sie hat Analgesie und weil ihr Körper nicht anzeigt, welcher Schritt derjenige zu weit ist, geht sie lieber gar kein Risiko ein, sich zu verletzen.
Jake ist 18 und lebt in einem zerrütteten Elternhaus: Sein Vater, ein erfolgreicher Musikproduzent, bringt in die Familie nicht mehr ein als Geld: Er trinkt, er betrügt seine Frau, er vernachlässigt seine Söhne. Deshalb geht Jake geradezu exzessiv ins Fitnessstudio und stählt seinen Körper in der Hoffnung, seine Mutter und seinen kleinen Bruder vor seinem Vater zu schützen - für den Fall der Fälle.

Weil Jake im Fitnessstudio von Mias Vater trainiert, treffen die beiden aufeinander - obwohl sie sich abseits dessen wohl nicht begegnet wären, da Jakes Umfeld durch seine Privatschule ganz anders ist als das von Mia. Doch sie begegnen sich und fühlen sich voneinander angezogen, als wären sie sicher beim jeweils anderen. Jake kann sich das erste Mal so richtig öffnen und von seinen Ängsten erzählen und auch Mia gräbt ein dunkles Geheimnis aus, dass sie noch nie jemandem erzählt hat. Doch ist diese Sicherheit, die sie beieinander spüren, echt, können sie darauf vertrauen?

Die Bewertung

Kyra Grohs Schreibstil ist einer in der Landschaft deutscher Autoren, der für mich heraus sticht. Auch diese Geschichte, ihr erstes Jugendbuch, besticht wieder durch einen tollen Humor und Wortwitz und mit einer Liebe zu Details, die einfach Spaß beim Lesen machen. Es verwendet keine Klischees, es nimmt sie eher aufs Korn und das tut gut.
Die Themen in "Sicherheit ist eine verdammt fiese Illusion" werden auf Augenhöhe behandelt und in einem Ton, der 1:1 zu seinen Figuren passt. Die Kapitel sind abwechselnd aus Mias und Jakes Sicht erzählt und nichts wirkt aufgesetzt, keine Reaktion nicht natürlich. Zudem rührt die Geschichte und zieht einen in einen Lesefluss. Nur am Anfang brauchte ich ein kleines bisschen, um in die Charaktere hineinzufinden. Aber die Figuren sind toll dargestellt und echt und der Teenager in mir konnte sich in vielen Sorgen und Ängsten wiederfinden.

4,5 von 5 Sterne

Dienstag, 30. Juni 2020

» Wie du mich siehst ; Tahereh Mafi

"Eine Kleinstadt in den USA: Shirins Alltag ist zum Albtraum geworden. Sie hat genug von den unverschämten Blicken, den erniedrigenden Kommentaren und den physischen Attacken, die sie
ertragen muss, weil sie Muslima ist. Sie flüchtet sich ins Musikhören und in das Breakdance-Training mit ihrem Bruder und dessen Freunden. Shirin hat beschlossen, niemandem mehr zu trauen. Bis sie an ihrer neuen High School den Jungen Ocean trifft. Er ist der erste Mensch seit langem, der Shirin wirklich kennenlernen möchte. Erschrocken weist Shirin ihn harsch zurück. Ocean ist für sie aus einer Welt, aus der ihr bisher nur Hass und Ablehnung entgegenschlugen. Aber dann kommt alles anders ..."

Die Handlung

Schon wieder eine neue High School für Shirin, und doch ist alles wieder, wie sie es kennt: Die Leute starren sie an. In den Jahren nach dem 11. September ist es für Shirin zu einem Albtraum geworden, dass sie ein Kopftuch trägt. Dass ihr unterstellt wird, dass sie Terroristin ist. Dass sie zu einem Feindbild geworden ist.
Als ihr großer Bruder, der im Gegensatz zu ihr nie Schwierigkeiten hat, Freunde zu finden, einen Lehrer findet, der ihnen eine Breakdance-AG erlaubt, erscheint ihr wie ein Licht am Horizont: Breakdance ist ihre Leidenschaft und in dieser sicheren Atmosphäre entfaltet sich Shirin. 
Doch in ihrem Biologie-Kurs sitzt Ocean, der ihre Welt auf eine ganz andere Art erschüttert: Er möchte sie unbedingt kennenlernen, sucht als ihr Laborpartner immer wieder das Gespräch und steht ihr unverhofft zur Seite, als sie in einem Kurs rassistisch behandelt wird. Doch Ocean kommt aus einer Welt, in die Shirin nicht hineinpasst, weiß, erfolgreich und sehr beliebt. Sie will ihre Mauern nicht einreißen, ihre Schutzschicht nicht verdünnen...

Die Bewertung

Lest dieses Buch!
Dies ist eine der vielen Own Voices Geschichten, die meinen Horizont erweitert haben. Tahereh Mafi hat selbst erlebt, worüber sie schreibt: Sowohl Shirins Leidenschaft für Breakdance als auch der Hass und die Ablehnung, die der Hauptfigur entgegenschlägt, ist für Mafi biografisch. Sie schreibt eindringlich aus dieser Perspektive, in die ich mich als weiße Leserin nur bis zu einem gewissen Grad hineindenken kann - und das Wissen, dass all das in diesem fiktiven Roman so realistisch und vor allem realitätsgetreu ist, macht mich schockiert, wütend und sprachlos. Genau das schaffen gute Bücher: Sie erzählen Geschichten, die uns emotional berühren und zum Nachdenken anregen. 
Eine richtig gute Bewertung kann ich nur schwer formulieren, außer: Es war eine berührende Geschichte, von der ich kaum die Finger lassen konnte. Es ist wichtig, für Repräsentation zu sorgen - und ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Es hat mir das Herz ein bisschen gebrochen, aber mich auch zum Lachen gebracht. Die Figuren sind toll geschrieben und es ist eines der besten Jugendbücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. 

5 von 5 Sterne

Montag, 1. Juni 2020

» Die goldenen Wölfe ; Roshani Chokshi (# 1)

"Ein Team aus talentierten Schatzjägern begibt sich zur Zeit der Pariser Weltausstellung 1889 auf die Suche nach einem überaus kostbaren Artefakt. Und was sie finden werden, dürfte die Welt verändern …"

Die Geschichte

In einer Welt voller Magie, der Schmiedekunst, arbeitet Séverin Montagnet-Alarie von seinem Hotel L'Éden in Paris aus daran, sein Erbe zurückzubekommen, das ihm durch eine geschickte Manipulation aberkannt wurde: Eigentlich wäre er der Patriarch des Hauses Vanth, eines der Häuser, die den Orden von Babel anführen und über Macht und Magie verfügen. Stattdessen gilt das Haus Vanth als untergegangen, sodass nur noch Haus Kore und Haus Nyx über das französische Babelfragment wachen, aus dem die Schmiedekunst entspringt.
Seine Gefährten sind: Laila, eine Tänzerin und Bäckerin mit einem dunklen Geheimnis, Zofia, eine jungen Wissenschaftlerin, die zwar der Schmiedekunst mächtig ist, aber von der Universität verwiesen wurde, Enrique, einem Geschichtswissenschaftler mit philippinischer Herkunft, der nach Gerechtigkeit sucht, und Tristan, Séverins Bruder, der vor seiner Vergangenheit in die Gärten des Hotels flieht und sich dort seinen geschmiedeten Pflanzen widmet. Sie bilden ein beinahe unschlagbares Team für Akquisitionen aller Art, bis Hypnos, der Patriarch des Hauses Nyx, mit einer schier unmöglichen Mission an sie herantritt: sie sollen das Horus-Auge aus dem Haus Kore beschaffen - und im Gegenzug soll Séverin an sein Erbe kommen. Doch dieser Auftrag birgt Gefahren, die sie alle an ihre Grenzen bringen wird - und darüber hinaus...

Die Bewertung

Verwirrt von meiner Inhaltsangabe, unter anderem von den Begrifflichkeiten, die ich eingeworfen, aber nicht wirklich erklärt habe? Tja, so ging es mir beim Lesen auch. 
Der Leser wird mitten ins Geschehen hineingeworfen, doch auch auf den folgenden Seiten gibt es nur wenige Informationen über die Schmiedekunst, die Magie, die es in dieser Welt gibt: Bis zum 13. Geburtstag erwacht sie in jenen Menschen, die dazu bestimmt sind, die verschiedensten Materialien zu bearbeiten und ihnen Eigenschaften beizubringen, die an Magie grenzen. Aber nicht nur hier wird mit Informationen gegeizt: Auch die Vergangenheit der Hauptfiguren, vor allem Séverin, Laila, Enrique und Zofia, bleibt weitestgehend im Dunkeln. Damit meine ich nicht unbedingt die dunklen Geheimnisse in ihrer Vergangenheit, die in den Kapiteln, die jeweils aus ihren Perspektiven erzählt werden, nach und nach enthüllt werden, damit meine ich vor allem: Wie haben diese fünf so unterschiedlichen Menschen zusammengefunden? Immer wieder wird angedeutet, dass sie schon oft gemeinsam Objekte akquiriert haben (was wohl bedeutet, dass sie eigentlich eine geschickte Diebesbande sind), aber nichts darüber erfährt man. Und es wären diese Informationen, die das Ganze runder gemacht hätten. So wirkt es streckenweise nur wie eine zu ihrem Zweck dieser Handlung zusammengebrachte Gruppe von Figuren, eine weitere Anhäufung ungerecht behandelter Menschen, die allesamt eigene Motive verfolgt. Bei keinem von ihnen ist mir klar geworden, wie alt sie eigentlich sind, was nur dazu beiträgt, dass man sich verloren fühlt in alle dem, was nicht erzählt wird. Es hätte so viel dazu beigetragen, der Geschichte etwas mehr Zeit zu lassen, statt in dem irrsinnigen Tempo, das in den Action-Szenen viel Sinn und vor allem Spaß macht, von Szene zu Szene zu springen. Ich habe die ruhigen Zwischentöne vermisst und stand nach über 400 Seiten immer noch mit immensen Fragezeichen der Welt und der Magie und auch den Hauptfiguren gegenüber.
Der Stil der Autorin ist toll, man kann das Buch sehr angenehm lesen und es hat viel Wortwitz. Zwischendurch wirkten die Wortwechsel der Figuren zu bemüht, aber vielleicht liegt es auch daran, dass mir das Konzept der unglaublich intelligenten und geschickten Außenseiter gegen den Rest der Welt aufstößt, wenn ich die Figuren davon unabhängig nicht kennenlernen kann. Das Ende wartet dann mit immensen Zeitsprüngen auf mich, die wiederum auch nur den Wunsch wecken, dass es auch die Szenen gibt, in denen die Figuren einfach miteinander interagieren. 
Nichtsdestotrotz werde ich Band 2 lesen, denn an sich ist diese Welt und Geschichte vielversprechend und hat viel Steigerungspotenzial.


2.5 von 5 Punkte

Dienstag, 26. Mai 2020

» Darktown ; Thomas Mullen (# 1)

"1948 stellt das Atlanta Police Department die erste Einheit farbiger Polizisten in seiner Geschichte auf. Lucius Boggs und Tommy Smith, gerade erst aus dem Krieg zurückgekehrt, gehören dazu. Als eine junge Frau tot aufgefunden wird und den Fall niemanden weiter zu kümmern scheint, machen sie sich auf die gefährliche Suche nach der Wahrheit."

Die Geschichte

Acht schwarze Polizisten - auf Druck von oben hat sich das Atlanta Police Department gebeugt und
mit diesen acht Männern eine erste farbige Einheit zusammengestellt. Die Befugnisse der Männer reichen nicht weit, vor allem sind sie dazu da, nachts in den farbigen Vierteln Streife zu laufen. Auch sie sehen sich Rassismus und Anfeindungen ihrer weißen Kollegen ausgesetzt und oft genug können sie nichts gegen weiße Polizeigewalt tun. Dennoch stellen sie für die Mehrheit der Schwarzen in Atlanta eine Galionsfigur auf dem Weg zur Gleichberechtigung dar.
Als Lucius Boggs und Tommy Smith die junge, schwarze Frau, die sie vor kurzem in einer nächtlichen Verkehrskontrolle gesehen haben (die natürlich, dank der weißen Polizisten, die aufgrund einer beschädigten Straßenlaterne und der offenkundigen Fahne des weißen Fahrers hinzugerufen werden mussten, ohne Folgen blieb), tot auffinden, können sie nicht wegsehen. Obwohl ihre Berichte gefälscht werden, in denen sie den Namen des Fahrers genannt haben, der zuletzt mit ihr gesehen wurde, obwohl es niemanden zu kümmern scheint, dass eben eine weitere Farbige umgebracht wurde, übertreten Boggs und Smith alle Regeln ihres Berufs und beginnen zu ermitteln. Denn der Fahrer des Wagens ist ein ehemaliger Polizist und dies ist nur ein weiterer Hinweis darauf, wie korrupt und rassistisch das Police Department ist. Unerwartete Unterstützung erhalten die beiden von Dennis Rakestraw, einem jungen weißen Polizisten, der ausgerechnet Detective Dunlow, einem der
lautesten und skrupellosesten der korrupten Streifenpolizisten als Partner zugeteilt wurde.

Die Bewertung

Es ist ein Kriminalroman, wie ich ihn noch nicht gelesen habe. Die besondere Perspektive durch die Stellung von Lucius Boggs mit Tommy Smith als Hauptfiguren auf der einen Seite, deren Befugnisse keine Mordermittlung vorsehen, und der Perspektivwechsel zu Dennis Rakestraw auf der anderen Seite, der mit den brutalen, rassistisch motivierten Vorgehensweisen seines Partners, der offenkundig korrupt und bestechlich ist, nicht einverstanden ist, machen eine besondere Mischung aus.
Thomas Mullen beschreibt schonungslos die Polizeigewalt und den grassiereden Rassismus in Atlanta: Die farbigen Polizisten haben beispielsweise ein eigenes "Revier" in einem Keller zugeteilt bekommen, sie dürfen das eigentliche Polizeirevier nicht betreten und sie dürfen auch außerhalb der Dienstzeiten nicht in ihrer Uniform herumlaufen. Sie finden sich in einem gefährlichen Spannungsfeld zwischen den Schwarzen in Atlanta wieder, die dankbar sind für ihre Hilfe, jenen, deren Machenschaften sie ein Ende machen, und den Weißen, die alles andere als begeistert sind, sich ihre Uniform mit Farbigen teilen zu müssen.
Es war schwierig, dieses Buch zu lesen, weil man sich den Gewalttaten so machtlos gegenüber sieht. Weil man weiß, dass hier eine Handlung beschrieben wird, die 70 Jahre in der Vergangenheit liegt, aber ein Handeln, das noch immer nicht verschwunden ist. Es ist eine dunkle Geschichte, aber mit vielschichtigen, wunderbar beschriebenen Figuren, die einen am Lesen halten, auch wenn man eigentlich die Augen schließen möchte vor dem, was auf den Seiten geschieht. Erst spät im Buch beginnen Boggs und Rakestraw, Informationen auszutauschen, denn naturgegeben ist es eine sehr wackelige Allianz, die sich hier aufbaut. Bis dahin ermitteln zwei Einheiten unabhängig voneinander und beide jenseits ihrer Befugnisse und bringen Informationen zutage, von denen die andere nichts wissen kann.
Dieses Buch hat mich gefesselt und geschockt, nicht losgelassen und bringt Krimis auf eine ganz neue Ebene. Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band!


5 von 5 Punkte

Dienstag, 12. Mai 2020

» Pandatage ; James Gould-Bourn

"Danny Maloony hat es schwer. Ein Glückspilz war er noch nie, aber seitdem seine Frau vor etwas mehr als einem Jahr bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, läuft gar nichts mehr glatt. Sein kleiner Sohn Will hat aufgehört zu sprechen, Danny verliert den Job, und als ihm auch noch sein Vermieter mit Rausschmiss droht, kauft er von seinem letzten Geld ein Pandakostüm, um als Tanzbär Geld zu verdienen. Doch tanzen kann er leider auch nicht ...
Ein Panda steht für Frieden und Freundschaft, aber so weit denkt Danny nicht. Das Kostüm ist ein Ladenhüter und billig, deshalb muss es als Verkleidung herhalten. Ein neuer Straßenkünstler ist geboren. Anfangs macht sich Danny vor allen Dingen lächerlich, aber als sich die Pole-Tänzerin Krystal seiner erbarmt und ihm Tanznachhilfe gibt, klingelt die Kasse so leidlich. Als Pandabär verkleidet beobachtet Danny eines Tages, wie sein kleiner Sohn Will von anderen Jungen schikaniert wird, und schreitet ein. Will fasst Vertrauen in den vermeintlich fremden Panda. Und er spricht."

Die Geschichte

Es ist ein Jahr her, dass Dannys Frau Liz bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Ebenfalls im Auto saß ihr gemeinsamer Sohn Will, der danach im Koma lag und seit seiner Genesung nicht mehr spricht. Will kommt mehr schlecht als recht zurecht - er ist im Rückstand mit der Miete, er dringt nicht zu seinem Sohn durch, er tut nicht viel mehr als wenig schlafen, arbeiten und sich ablenken. Als er vom neuen Chef auf der Baustelle gefeuert wird, steht Will vor einem Scherbenhaufen: Wenn er nicht in zwei Monaten die gesamte rückständige Miete (natürlich mit saftigen Zinsen), dann wird ihm sein Vermieter die Knochen brechen lassen. Tagelang streift Danny durch London, auf der Suche nach einem neuen Job, bis ihm eine (vermeintlich einfache) Lösung präsentiert wird, als er sieht, wie viel Geld die Straßenkünstler in einem Park machen.
Mit dem günstigsten Kostüm, das er bekommen kann - einem etwas müffelndem Pandakostüm - stellt sich Danny in den Park. Und stellt schnell fest, dass er eigentlich nichts kann, was einen Passanten dazu bringen könnte, ihm Geld zu geben. Er hat jedoch keine andere Wahl, als zu tanzen (was er auch nicht kann, aber ihm fällt nichts ein, was er besser könnte, oder was sich für das Panda-Kostüm eignen würde). Seine jämmerlichen Versuche bringen aber immerhin Krystal, eine Stangentänzerin, dazu, ihm zu helfen. Und dann passiert ein Wunder: Als Danny seinen Sohn, verkleidet als Panda, vor den Schulschlägern rettet, die dem nicht-sprechenden Jungen piesaken, spricht Will plötzlich.

Die Bewertung

Der Klappentext des Buchs zieht einen Vergleich zu "About A Boy", was zu den Büchern meiner Schulzeit gehört, die ich wirklich sehr mochte - und (in meiner Erinnerung) auch sehr gut filmisch umgesetzt wurde.
Für mich gibt es hier aber nicht besonders viele Parallelen, dieses Buch hat aber seinen ganz eigenen, zeitweise rührenden Charme und sehr viel Humor. 
Es gibt Figuren, die ein richtiges Klischee sind - Mark, der Schulschläger, der hinter Will her ist und ihm das Leben an der Schule zur Hölle macht, oder Reg, der Vermieter von Danny und Will, der die fehlende Miete mit einem Schläger eintreiben will. Dies wird jedoch wett gemacht durch Danny und Will, durch Mo und auch Krystal, durch die Nebenfiguren der Straßenkünstler und vor allem durch den Humor, der durch den Schreibstil transportiert wird. Danny hat einen trockenen, sehr selbstironischen Humor, der viel Spaß macht und keineswegs die Probleme, die er hat, abmildert. Die Verzweiflung, dass Will nicht mit ihm spricht, während er selbst noch so sehr darunter leidet, dass er seine Frau verloren hat, ist greifbar und erklärt die extreme Entscheidung, sich als Straßenkünstler zu versuchen. Vordergründig geht es natürlich darum, wie Vater und Sohn zueinander finden, eine Beziehung aufbauen, gemeinsam daran arbeiten, ihren Verlust zu verarbeiten. Der Nebenplot, der die Handlung antreibt, macht großen Spaß zu lesen. Ein wirklich liebenswertes Buch!

5 von 5 Punkte

Dienstag, 5. Mai 2020

» Der Kuss der Lüge ; Mary E. Pearson (Die Chroniken der Verbliebenen #1)

"Lia, älteste Tochter im Königshaus Morrighan, lässt ihre Heimat hinter sich, kurz bevor sie mit einem fremden Prinzen verheiratet werden soll. Als einfache Arbeitskraft heuert sie in einer Taverne an, wo sie zwei Männer kennenlernt, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Beide sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt sich Lia zu beiden hingezogen ..."

Die Geschichte

Kurz bevor Prinzessin Lia als Erste Tochter des Königreichs Morrighan an den Prinzen des Königreichs Dalbreck verheiratet werden soll, um die gespannte Beziehung in eine Allianz zu verwandeln, flüchtet sie mit ihrer Freundin Pauline. Sie will ihre Zukunft nicht aus politischen Gründen für eine Ehe hergeben mit einem Mann, den sie noch nie gesehen hat. Auf dem Weg in die Küstenstadt Terravin verwischen die jungen Frauen ihre Spuren, und schließlich beginnt Lia an ihrem Ziel als Schankmädchen zu arbeiten.
Als zwei Fremde eines abends die Schenke betreten, ahnt Lia nicht, dass es sich bei ihnen um zwei junge Männer handelt, die aus sehr unterschiedlichen Motiven in Terravin aufhalten, aber nur ihretwegen gekommen sind: Der eine ist der Prinz aus Dalbreck, der, neugierig auf die Frau, die ihn vor dem Altar hat stehen lassen, einen Blick auf sie werfen will. Der andere ist ein Attentäter, geschickt um die versteckte Prinzessin zu töten. Doch am Ende erfüllt keiner seine Mission, wie sie es eigentlich geplant hatten.

Die Bewertung

Das Buch, Teil 1 der Chroniken der Verbliebenen, liest sich ausgesprochen angenehm, flüssig und beinahe wie in einem Rutsch.
Leider sehe ich in diesem Buch sehr viel verpasstes Potenzial: Die Geschichte wird voran getrieben von der Entscheidung des Attentäters, Lia entgegen seines Auftrags nicht zu töten - und dies ist für mich in der Geschichte nicht zu begründen, wenn man nicht davon ausgeht, dass eine unerklärliche Anziehung von Lia ausgeht (die der Prinz übrigens ebenso spürt, denn auch er versucht, ihr näherzukommen). Ein klassischer Fall von Insta-love, und auch noch gepaart mit einem Love Triangle... Mir wurde die Welt beim Lesen kaum klar: Es gibt die Königreiche Morrighan und Dalbreck, und es gibt Vagabunden, die aus (unerklärlichen?) Gründen der Feind sind. Die Ersten Töchter des Königreichs sollen mit der Gabe der Vorhersehung gesegnet sein, die Lia aber nicht zu haben scheint - was auch immer diese Gabe jedoch ausmacht, sie scheint aus ihr eine Gefahr zu machen, die groß genug ist, einen Attentäter zu rechtfertigen, nachdem sie auf die Ehe und ihre königlichen Ansprüche bereits verzichtet hat - für mich unlogisch. Bis zum Ende ist mir zudem nicht klar geworden, wer die "Verbliebenen" sind, die immerhin der Serie ihren Titel geben.
Insgesamt ist auf diesen über 500 Seiten auch nicht allzu viel passiert, was zwar aufgrund des schon angesprochenen flüssigen Stils beim Lesen nicht schlimm war, eben aber auch nicht dafür sorgt, dass ich besonders neugierig auf die Folgebände bin - ich habe am Ende immer noch keine Ahnung gehabt, worum es in den Büchern geht, was das große Ziel ist, was die Motivation des Attentäters und seiner Kumpanen angeht... Daran ändert leider auch das offene Ende nichts. 

2 von 5 Punkte

Sonntag, 3. Mai 2020

» Miracle Creek ; Angie Kim

"In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen."

Die Geschichte

Elizabeth Ward ist angeklagt, einen Sauerstofftank einer Anlage für hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in Brand gesteckt zu haben - während eine Therapiesitzung lief, an der ihr autistischer Sohn Henry teilgenommen hat. Als die Anlage in Flammen aufgegangen ist, ist nicht nur Henry ums Leben gekommen, sondern auch Kitt, die Mutter eines der anderen teilnehmen Kinder, und weitere Personen werden schwer verletzt.
Ein Jahr nach dem Unglück startet der Prozess und sowohl Pak Yoo, der Betreiber der HBO-Anlage, als auch Matt, der als einziger erwachsener Patient teilgenommen hat, gehören zu den ersten, die aussagen. Schnell wird klar, dass die betroffenen Personen nicht nur alle noch immer auf unterschiedlichste Weise an den Geschehnissen leidern, sondern auch so einige Geheimnisse verbergen. Und wie sonst auch hatte jeder von ihnen eine ganz eigenen Blick auf das, was vor einem Jahr passierte...

Die Bewertung

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, von jenen Personen, die am Brand beteiligt waren: Elizabeth, Pak Yoo sowie seine Frau und Tochter oder Matt. Obwohl ich normalerweise kein großer Fan von vielen Perspektiven bin, hat es hier ganz und gar seinen Zweck erfüllt: Es hat nicht nur Puzzleteil für Puzzleteil enthüllt, was rund um den fatalen Brand geschehen ist, Angie Kim schafft es dadurch auch, dass man in den Kapiteln, ob selbst gewollt oder nicht, an die Wahrheit dessen glaubt, was die Personen erlebt haben oder Partei für sie ergreift, obwohl man möglicherweise noch wenige Seiten vorher davon überzeugt war, dass es anders ist. Seite für Seite enthüllen die Zeugenaussagen und Erinnerungen, was damals tatsächlich passiert ist - und doch bleibt bis fast zum Schluss offen, wer für den Brand wirklich verantwortlich war. 
Für mich blieben am Ende ein paar letzte Fragen offen, auch wenn mir gefallen hat, dass es nach allem, was geschehen ist, für die Figuren kein "Happy End" gibt, sondern nicht nur Strafen aus dem Rechtssystem, sondern auch Wunden, die nicht so schnell verheilen.

4,5 von 5 Punkte

Mittwoch, 15. April 2020

» Das Gold der Krähen ; Leigh Bardugo (Glory or Grave #2)

Der Nachfolgeband zu » Das Lied der Krähen


"Ein Dieb mit der Begabung, die unwahrscheinlichsten Auswege zu entdecken.
Eine Spionin, die nur »das Phantom« genannt wird.
Ein Verurteilter mit einem unstillbaren Verlangen nach Rache.
Eine Magierin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben.
Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann.
Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff.

Kaz Brekker und seinen Krähen ist ein derart spektakulärer Coup gelungen, dass sie selbst nicht auf ihr Überleben gewettet hätten. Statt der versprochenen fürstlichen Belohnung erwartet sie jedoch bitterer Verrat, als sie nach Ketterdam zurückkehren. Haarscharf kommen die Krähen mit dem Leben davon, Kaz' Geliebte Inej gerät in Gefangenschaft. Doch Kaz trägt seinen Spitznamen »Dirtyhands« nicht ohne Grund – von jetzt an ist ihm kein Deal zu schmutzig und kein Risiko zu groß, um Inej zu befreien und seinen betrügerischen Erzfeind Pekka Rollins zu vernichten."

Die Geschichte

Die Krähen wurden nach dem erfolgreichen Einbruch in das Eistribunal in Fjerda von ihrem Auftraggeber nicht nur betrogen, er hat sogar Inej entführt - als Druckmittel gegen Kaz. Doch Kaz hat im Barrel von Ketterdam nicht ohne Grund den Beinamen "Dirtyhands" erhalten - er entwirft einen Plan, wie sie nicht nur die verdiente Belohnung für den Coup erhalten, sondern sich auch für den Verrat rächen. Es ist ein Plan, wie nur er ihn entwerfen kann - denn er hat nicht vor, in der Stadt auch nur einen Stein auf dem anderen zu lassen...

Die Bewertung

Dies wird ein Liebeslied an die Krähen und an diesen fantastischen zweiten Band - soviel vorab!
Im Lied der Krähen haben wir die Protagonisten kennengelernt, ihre Stärken und Schwächen, die Herausforderungen, denen sie sich stellen. Das Gold der Krähen führt dies nun einer brillanten Handlung weiter, in der es nicht eine einzige Phase des Stillstands oder gar der Langeweile für den Leser gibt. Zudem gibt es keinen Zeitpunkt, in dem man als Leser denkt, dass man vollumfänglich weiß, was der Plan gerade vorgibt - immer wieder stellt man Theorien auf, wohin es führen könnte, weil man sich einbildet, das große Ziel zu kennen - man interpretiert, was man gerade liest, nur um wenige Seiten später festzustellen, dass man falsch lag (und zwar meistens völlig falsch). Dieses Buch ist voll von Charakteren, die sich weiterentwickeln, die wachsen, die stolpern und fallen und regelmäßig vor den Bruchstücken eines (genialen) Planes stehen... bei dem Tempo, das Leigh Bardugo an den Tag legt, wird einem beim Lesen zwischendurch beinahe schwindelig. Die Krähen, die man bereits in Teil 1 lieb gewonnen hat, wachsen einem durch die Nebenstränge und Entwicklung so sehr ans Herz. Sie gehen durch die Hölle und wieder zurück, mit Kratzern, Wunden und Narben, aber es führt nur dazu, dass man selbst mitleidet. Dieses Buch ist eine emotionale Achterbahn, die Feinde werden mächtiger, die Risiken größer, die Hindernisse schier unüberwindbar.
Es sind die kleinen Randnotizen und -figuren, die für die Zwischentöne sorgen, die das Besuch besonders machen: Beispielsweise taucht Jespers Vater in Ketterdam auf, was eine Vaterfigur einführt, die die Handlung prägt - und den Figuren gut tut, wirft sie doch auch noch einmal ganz neue Verhaltensweisen auf.
Es ist etwas Besonderes, in einem Buch eine starke, weibliche Figur zu sehen, die nicht versucht, einen Mann zu etwas zu machen, das er nicht ist, ganz egal, wie groß die Gefühle auch sein mögen.
"Das Gold der Krähen" ist eine fulminante (das Wort wollte ich schon immer mal benutzen...) Steigerung von Band 1 und es hat mich nicht losgelassen. Diese Welt ist seit sehr langer Zeit die erste, die eine ähnliche Rolle wie die Welt von Harry Potter spielen kann (ohne Harry abzulösen, mein Herz hat genug Platz für beide!) - und welch größeres Lob kann es von einem Potterhead geben?







5+ von 5 Punkte


Dienstag, 7. April 2020

» Postscript - Was ich dir noch sagen möchte ; Cecelia Ahern (P.S. Ich liebe dich #2)

"»Greif nach den Sternen. Einen davon wirst du bestimmt erwischen.«
Vor sieben Jahren ist Holly Kennedys geliebter Mann Gerry viel zu jung an Krebs gestorben. Er hat ihr ein wunderbares Geschenk hinterlassen: eine Reihe von Briefen, die sie durch die Trauer begleitet haben. Holly ist stolz darauf, dass sie sich inzwischen ein neues Leben aufgebaut hat. Da wird sie von einer kleinen Gruppe von Menschen angesprochen, die alle unheilbar krank sind. Inspiriert von Gerrys Geschichte, möchten sie ihren Lieben ebenfalls Botschaften hinterlassen.
Holly will nicht in die Vergangenheit zurückgezogen werden. Doch als sie beginnt, den Mitgliedern des »P.S. Ich liebe Dich«-Clubs zu helfen, wird klar: Jeder von uns kann seinen ganz eigenen Lebenssinn finden. Und die Liebe weitertragen. Wenn wir uns nur auf die Frage einlassen: Was will ich heute noch sagen und tun, falls ich morgen nicht mehr da bin?"

Die Geschichte

Sieben Jahre, nachdem Gerry gestorben und seiner Frau Holly eine Reihe von Briefen von ihm bekommen hat, hat sie ihr Leben wieder sortiert und steht auf festen Füßen: In einer neuen Beziehung, in einem Job, der ihr Freude macht. Der Stein kommt ins Rollen, als sie ihrer Schwester
Ciara ein Podcast-Interview über die Briefe gibt: Fünf kranke Menschen gründen, gerührt und inspiriert von der Geschichte, einen "P.S. Ich liebe dich"-Club und bitten Holly um ihre Hilfe, die Abschieds-Botschaften an ihre Familien zu entwerfen.
Hollys erste Reaktion ist Ablehnung: Sie spürt, wie die Schmerzen ihrer Vergangenheit die Finger nach ihr ausstrecken. Auch ihre Familie und Freunde sind stark geteilter Meinung, ob dieses, wenn auch schöne Projekt, ihr gut tun würde.
Doch mit jedem Moment, den sie mit den Mitgliedern des Clubs verbringt und ihre Geschichten hört, wird Holly klarer, dass sie hier helfen kann, vielleicht sogar helfen muss, und dass es einiges gibt, das Jahre nach dem letzten Brief noch ungesagt ist.

Die Bewertung

Heutzutage ist man ein bisschen skeptisch, wenn eine Fortsetzung veröffentlicht wird zu etwas, das nicht nur in sich abgeschlossen war, sondern auch, so wie es ist, ziemlich perfekt. Es ist lange, lange her, dass ich "P.S. Ich liebe dich" gelesen habe, aber ich weiß noch, dass es eines der Bücher gewesen ist, das den Hype durchaus irgendwie verdiente - eine herzerwärmende, schmerzhaft-schöne Geschichte über Liebe und Abschiede, Tod und Weiterleben - und natürlich ein Buch, das so (!) viel besser ist als der Film.
Cecelia Ahern greift die Fäden von Hollys Leben sieben Jahre nach dem Tod von Gerry wieder auf. Das Buch erzählt jedoch eine eigene Geschichte, in der natürlich lieb gewonnene und bekannte Figuren aus "P.S. Ich liebe dich" vorkommen, aber eben nicht an jeder Stelle eine Brücke geschlagen oder nacherzählt wird. Vor allem begleiten wir Holly eben auf ihrem Weg, in dem sie, Jahre nach dem letzten Brief von Gerry, mental wieder in diese Zeit zurückgezogen wird, und dem Spagat zwischen Gegenwart, möglicher Zukunft und Vergangenheit. Das Buch berührt, ohne kitschig zu sein, und wischt jegliche Bedenken über die Frage "Muss eine Fortsetzung sein?" weg - es ist nur irgendwie eine Fortsetzung, vor allem aber bettet es Fragen in ein bekanntes Setting, die man sich wohl nicht oft stellt.

4,5 von 5 Punkten

Montag, 6. April 2020

» Herzklopfen nicht ausgeschlossen ; Julia Hanel

"Feli hat sich damit abgefunden, dass das Leben kein Wunschkonzert ist. Anstatt Medizin zu
studieren, jobbt sie in einem Seniorenheim, um den Pflegeplatz für ihre demente Großmutter zu
bezahlen. Dort trifft sie auf Leo, der nach einer wilden Nacht zu Sozialstunden auf ihrer Station verdonnert wurde. Er ist genau die Art Mann, mit der Feli so gar nichts anfangen kann: zwar echt attraktiv, aber auch ziemlich selbstverliebt. Trotzdem schlägt ihr Herz in seiner Nähe wie verrückt. Doch als sie gerade Vertrauen zu ihm fasst, wird sie von Leo bitter enttäuscht …"

Die Geschichte

Nach einer ziemlich blöden Aktion (auf die dümmsten Ideen kommt man mit Alkohol) darf Leo 100 Sozialstunden ableisten - dank der guten Beziehungen seiner Familie in einer Seniorenresidenz, die eigentlich jugendliche Straftäter aufnimmt - was Leo mit seinen 29 Jahren nicht mehr ist (auch wenn Feli, die ihn betreuen darf, beinahe anderer Meinung ist). Der erste Eindruck ist denkbar schlecht, denn Leo überfährt Feli auf ihrem Fahrrad beinahe mit seinem Porsche. Sie scheint gegen seinen Charme immun, mit dem er sonst jeden um den Finger wickelt, jedenfalls jeden außer seiner Familie.
Feli, die in der Seniorenresidenz arbeitet, um die Wohnung ihrer Großmutter zu finanzieren, die seit einigen Monaten wegen Alzheimer dort lebt, um das Haus ihrer Großmutter halten zu können - weshalb sie ihr Studium auf Eis legen musste. Eigentlich ist das Geld immer knapp und da wirkt Leo, der mal eben einen Mähroboter für das Altenheim bestellt (um es sich selbst einfacher zu machen), der Porsche fahrende Jung-Millionär, auf Feli nur wenig anziehend. Und doch: Je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto mehr beginnt Feli hinter die Maske des Playboys zu schauen - und desto mehr kommt Felix dem Boden der Tatsachen jenseits des Münchner Glamour Lebens an.

Die Bewertung

Eine so locker-leichte, wunderbare Geschichte habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gelesen - so schön, dass ich sie mal eben so an einem Nachmittag durchgelesen habe. Sozusagen weggeatmet. Leo und Feli, so wie Anila oder Alexander oder Natalja oder Sepp (oder-oder-oder) sind Figuren, die einem so echt erscheinen, als könnte man ihnen im Treppenhaus begegnen. Es ist eine Kunst, in dieser aktuell von Liebesgeschichten gefluteten Welt eine zu schreiben, die erfrischend und modern wirkt, so neu, unaufgesetzt und lebendig. Julia Hanel bringt zwei Figuren zusammen, die weder Insta-Love erleben, sondern aneinander, an sich und am Leben wachsen. Außerdem sprühen die Kapitel von Wortwitz und popkulturellen Referenzen (spätestens mit der ersten Harry Potter-Anspielung hatte das Buch mein Herz erobert), was erst Recht dazu führt, dass man weiterlesen möchte.

5 von 5 Punkten

Samstag, 4. April 2020

» Ich bin Circe ; Madeline Miller

"Unsterblich. Unvollkommen. Unbezähmbar.
Circe ist Tochter des mächtigen Sonnengotts Helios und der Nymphe Perse, doch sie ist ganz anders als ihre göttlichen Geschwister. Ihre Stimme klingt wie die einer Sterblichen, sie hat einen schwierigen Charakter und ein unabhängiges Temperament; sie ist empfänglich für das Leid der Menschen und fühlt sich in deren Gesellschaft wohler als bei den Göttern. Als sie wegen dieser Eigenschaften auf eine einsame Insel verbannt wird, kämpft sie alleine weiter. Sie studiert die Magie der Pflanzen, lernt wilde Tiere zu zähmen und wird zu einer mächtigen Zauberin. Vor allem aber ist Circe eine leidenschaftliche Frau: Liebe, Freundschaft, Rivalität, Angst, Zorn und Sehnsucht begleiten sie, als sie Daidalos, dem Minotauros, dem Ungeheuer Scylla, der tragischen Medea, dem klugen Odysseus und schließlich auch der geheimnisvollen Penelope begegnet. Am Ende muss sie sich als Magierin, liebende Frau und Mutter ein für alle Mal entscheiden, ob sie zu den Göttern gehören will, von denen sie abstammt, oder zu den Menschen – die sie lieben gelernt hat."

Die Geschichte

Als Tochter vom Titanen Helios, der Tag für Tag in seinem Sonnenwagen über den Himmel zieht und ein nicht gerade sonniges, sondern eher feuriges Temperament hat, und der Nymphe Perse, Tochter des Titanen Okeanos, wird Circe geboren - und ist scheinbar von ihren ersten Atemzügen an nicht genügend: Ihre Stimme entbehrt jeglicher göttlichen Strahlkraft, ebenso wie ihr Aussehen in den Augen ihrer Mutter.
Als ihre Geschwister geboren werden, wird offensichtlich, dass Circe am Hof ihres Vaters keinen Platz hat. Ihre Schwester wird an einen Sohn des Zeus verheiratet, doch für Circe findet sich kein Ehemann, der Helios' Einfluss gewinnen lässt, und sie selbst verliebt sich in einen menschlichen Fischer. Als sie Glaukos in einen Meeresgott verwandelt, wird offenbar, dass ihre Fähigkeiten für die Götter nicht zu begreifen sind. Circe verwandelt aus Eifersucht die Nymphe Scylla in ein Monster - und als sie vor ihrem Vater diesen Fehler gesteht, wird sie für ihre Hexenkunst auf die Insel Aiaia verbannt.
In Jahrhunderten voller Einsamkeit, mit seltenen Besuchen des Gottes Hermes, findet Circe zu ihren Fähigkeiten und zu sich selbst. Doch ihr Weg wartet noch mit vielen weiteren Herausforderungen auf sie.

Die Bewertung

Ich bin (spätestens seit Rick Riordans Percy Jackson-Büchern) ein großer Fan der griechischen Mythologie. Hier erzählt Madeline Miller die jahrhundertelange Geschichte einer Titanentochter, einer Hexe, die man aus den Geschichten der Odyssee kennt, in denen Circe Männer in Schweine verwandelt und erst vom Helden Odysseus herausgefordert und bezwungen wird.
Madeline Miller zeigt den Weg einer Göttin, die aufgrund eines menschlichen Zuges, nämlich Reue über ihre Taten, in eine ewigliche Verbannung gejagt wird. Denn das unterscheidet Circe von den anderen Göttern: Sie hat keine starken göttlichen Fähigkeiten, vielmehr zeichnen sie menschliche Züge aus, die schon Prometheus in ihr weckte, der den Menschen so nahe war, dass er ihnen das Feuer gab.
"Ich bin Circe" erzählt die Geschichte einer wachsenden, stärker werdenden Frau, einer Göttin, einer Hexe, eines verliebten Mädchens ebenso wie einer unsicheren Tochter, einer Mutter. Sie ist zutiefst menschlich in den Schwächen, die sie hat, und sie wächst im Laufe der Zeit an den Herausforderungen, die das Leben ihr stellt. Sie muss mit den Fehlern so viel länger leben als wir Menschen es tun, und dennoch zerbricht sie nicht daran.
Daneben wirft das Buch auch einen Blick auf die vielen Facetten der griechischen Mythologie, auf Götter- und Heldengeschichten mit all den blutigen und grausamen Details - die vor allem von Männern geprägt ist. Ein Buch des Feminismus', angesiedelt in der Antike - neben all den göttlichen Geschichten ist es vor allem ein Buch über den Weg einer starken Frauenfigur. Großartig!

4,5 von 5 Punkten

Dienstag, 17. März 2020

» Crazy Rich Asians ; Kevin Kwan (Crazy Rich #1)

"Rachel ist überglücklich: Ihr Freund Nick möchte sie endlich seiner Familie in Singapur vorstellen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft in Asiens schillerndster Stadt wird Rachel klar, dass Nick aus der obersten Schicht der Superreichen stammt, einem geschlossenen Kreis, der unermessliche Reichtümer besitzt. Plötzlich sieht sie sich konfrontiert mit schrillen Verwandten, glamourösen Nebenbuhlerinnen und Privatjets mit ayurvedischen Yogastudios. Welchen Wert hat Liebe in dieser maßlosen Welt?"



Die Geschichte

In New York wird Rachel von ihrem Freund Nick eingeladen, den Sommer mit ihm in Asien zu verbringen, zuerst bei der Hochzeit seines besten Freundes in Singapur und im Anschluss mit einer Rundreise. Voller Vorfreude willigt sie ein, seine Heimat mit ihm zu bereisen.
Die Nachricht von Nicks Heimkehr in Begleitung macht innerhalb des elitären Kreises der Singapurer Superreichen in Windeseile die Runde. Was Rachel nicht weiß: Nicks Familie gehört zur höchsten Klasse, der Reichtum ist nicht in Worte zu fassen. Weshalb es Nicks Mutter Eleanor überhaupt nicht in den Kram passt, dass Nicks Besuch bei ihren Freundinnen den Eindruck erweckt, als würde er diese Rachel Chu, die nicht einmal zu den reichen Plastik-Chus aus Taipeh gehört, heiraten wollen.
Rachel trifft in Singapur zunächst auf ihr freundlich gesinnte Freunde von Nick: den Bräutigam Colin, dessen Verlobte Araminta, Nicks Cousine Astrid. Dass Araminta ein Supermodel ist und Colin der begehrteste Junggeselle der Insel, dass andere gut betuchte Asiaten für eine Einladung zu dieser Hochzeit alles tun würden, ahnt Rachel zunächst nicht. Und so nehmen die Intrigen vonseiten Nicks Mutter ihren Lauf...

Die Bewertung

Kevin Kwans Buch eröffnet mit viel Wortwitz und beißender Ironie einen faszinierenden Blick in die Welt der Asiaten, die so reich sind, dass die reichsten Europäer arm dagegen wirken mögen. Es wird mit Designer-Namen und Luxusgütern um sich geworfen, die einen schwindelig machen, und gleichzeitig hinterfragt man beinahe gar nicht, wie verrückt diese Welt eigentlich ist.
Wie nebenher nimmt man jedoch auch so einiges der asiatischen Kultur aus. In diversen Fußnoten werden nicht übersetzte Redewendungen, Speisen und Getränke und vieles andere erklärt und im Tone des Autors bewertet - es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, sie zu lesen.
Die Geschichte an sich ist nicht neu: Der reiche Sohn verliebt sich in ein ganz normales Mädchen, die versnobte Familie ist dagegen und versucht, eine mögliche Hochzeit zu verhindern. Das eingebettet in dieses Setting ist jedoch neu und spannend und macht Spaß zu lesen. Neben Nick und Rachel wartet Kevin Kwan mit spannenden Nebencharakteren wie Nicks Cousine Astrid auf, die ein ganz besonderes Leben führt, das weit weg von dem ist, was man als Leser selbst kennt, mit der man jedoch sofort sympathisiert.

Ich bin mehr als gespannt, die Verfilmung zu schauen und freue mich auch schon sehr auf Band 2 und 3 der Trilogie!


5 von 5 Punkte